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Das Filmmuseum Potsdam hat eine neue Dauerausstellung. Versucht wird, einhundert Jahre Babelsberger Filmgeschichte zu reflektieren. Allein angesichts der Zahl von mehr als 3000 Filmen, die hier seit 1911 im bis heute ununterbrochen arbeitenden Studiokomplex entstanden sind, ein Unterfangen, dass zahlloser Räume und eines riesigen Budgets bedürfte. Beides ist nicht vorhanden. Das Erdgeschoss des Filmmuseums reicht gerade mal an die Größe einer kleinen Fabrikhalle heran; 900.000 Euro, mit Hilfe zahlreicher Sponsoren erbracht, sind für ein solches Projekt viel zu wenig. Da rührt es denn, dass etliche Ausstellungsstücke von Spendern ohne Erwartung finanzieller Gegenleistung zur Verfügung gestellt wurden.
Einladung zum Selbermachen
Der kleine Raum wurde in sieben Themenräume eingeteilt, die besser als Stationen bezeichnet werden. In multimedialer Form gibt es Filmausschnitte, Interviews mit Menschen, die in Babelsberg gearbeitet haben und Zeitzeugnisse. Rundum sind Fotos und Erinnerungsstücke ausgestellt, wie das Toupet von UfA-Star Hans Albers, ein Modell des Schlosses für den DEFA-Märchenfilm Gritta von Rattenzuhausbeiuns, die Totenmaske der dänischen Schauspielerin Asta Nielsen, europäischer Superstar der 1910-er und 1920-er Jahre.
Vor allem jungen Leuten dürfte es gefallen, sich selbst einzubringen. Dazu laden verschiedene Möglichkeiten ein. Beispielsweise gibt es eine Box, in der es möglich ist, sich virtuell selbst als Schauspieler und Schauspielerin zu versuchen, sich in Szenen, etwa aus Sonnenallee, "hineinzumogeln". Das Ergebnis kommt später per e-Mail nach Hause. Witzig auch: An einem Tisch sind viele Filmausschnitte auf einem Bildschirm-Menue gesammelt, etwa aus dem legendären DEFA-Film Spur der Steine und aus einem Melodram mit UfA-Heroine Zarah Leander. Wer mag, kann die Schnipsel in eine Computer-"Filmspur" ziehen und sich so einen eigenen Film montieren. Die meisten Ergebnisse dürften wohl brüllend komisch ausfallen. Dennoch: Neben dem Witz wird spielerisch klar, wie schwer Filmarbeit sein kann.
Die Arbeit hinter den Kulissen dominiert die Ausstellung
Die Filmarbeit zu spiegeln – das ist der offenkundige Grundgedanke der Ausstellung. Die Themenräume sind Phasen der Filmarbeit zugeordnet, heißen beispielsweise Ideenschmiede (da geht es um Drehbücher), Filmbaumeister (hier wird den Szenenbildnern gehuldigt) oder Montage (die Kunst des Schnitts wird reflektiert). Das Konzept ist originell. Allerdings: Der Zauber des Kinos, dieses einmalige geheimnisvolle Abtauchen ins Dunkel, in der Masse und doch allein, den spürt man nie.
Zu wenig auch werden politische Zusammenhänge erhellt. Gelegenheit hätte es etwa dazu gegeben, wenn drei Star-Regisseure aus drei Epochen der Babelsberger Filmproduktion im Themenraum Achtung Aufnahme! ins Zentrum gesetzt werden: Fritz Lang (von den Nazis vertrieben), Heiner Carow (zu DEFA-Zeiten von den Kulturbonzen vielfach behindert) und Quentin Tarantino (ein erstaunlich aufmüpfiges Hätschelkind von Hollywoods Profiteuren). Doch über flüchtige Eindrücke vom Alltag am Drehort geht das kaum hinaus. Schade.
Spaß für Kinder und Jugendliche
Insgesamt erinnert die Ausstellung ein wenig an eine berühmte Sendung des DDR-Fernsehens: Willi Schwabes Rumpelkammer. Da griff der Schauspieler Willi Schwabe in einer überladen-pittoresk dekorierten Dachboden-Kulisse mal zu diesem, mal zu jenem Erinnerungsstück, erzählte Anekdötchen und zeigte dazu einen passenden Ausschnitt aus alten Filmen mit populären Akteuren. Nett.
Fazit: Die neue Dauerausstellung im Filmmuseum in Potsdam lohnt einen Besuch vor allem für Familien mit Kindern und Jugendlichen. Die haben bestimmt einen gehörigen Spaß an den spielerischen Möglichkeiten des Zugangs zum Medium Film. Echte Filmfans werden wahrscheinlich rasch auf den aktuellen Spielplan des Hauses gucken und nach der Aufführung cineastischer Raritäten suchen.
Peter Claus, kulturradio