Monica Bonvicini: Waiting #1, 2017. Courtesy the artist and König Galerie, Berlin; Galerie Peter Kilchmann, Zürich; Galleria Raffaella Cortese, Mailand, Ausstellungsansicht, Berlinische Galerie, 2017. © Monica Bonvicini und VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Foto: Jens Ziehe
Jens Ziehe
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Berlinische Galerie - Monica Bonvicini: "3612,54 m³ vs 0,05 m³"

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Lederriemen, Ketten, Neonröhren – das sind nur einige der Materialien, die die Künstlerin Monica Bonvicini in ihren Arbeiten verwendet.

Die gebürtige Venezianerin lebt schon lange in Berlin, übernimmt jetzt eine Professur für Bildhauerei an der Universität der Künste und ist international erfolgreich. Dass sie in dieser eigens für die Berlinische Galerie geschaffenen Installation mit, bzw. gegen einen Raum arbeitet, verrät bereits der Titel: "3612,54 m³ versus 0,05 m³". Die größere Zahl entspricht dem Raumvolumen der hohen und langen ersten Ausstellungshalle dort. Die 0,05 Kubikmeter bezeichnen dagegen das Raumvolumen der Künstlerin – stellvertretend für irgendeinen  menschlichen Körper.

Am "White Cube", dem nüchternen weißen Ausstellungsraum, der zum Fetisch der (männlich dominierten) Kunstwelt wurde, hat sich Monica Bonvicini schon wiederholt abgearbeitet. Jeder Raum setzt den Menschen in ein Verhältnis. Der strenge 'White Cube' verlangt eine andächtige Haltung vom Besucher, gebietet Ehrfurcht. Zumal wenn er ein solches, Kirchenschiff-würdiges Format hat, wie in diesem Fall.

Die Künstlerin macht aus ihm eine hell erleuchtete Arena. Sie versperrt einen Teil der Halle durch eine Wand aus Metall-Paneelen. Erst durch eine Tür in dieser Wand tritt man aus dem Dunkel in die Halle, die mit wenigen weiteren Elementen eine aggressive Note erhalten hat.

Im Zentrum hängt eine Art überdimensionaler Pinsel an einem schwarzen Tau von der Decke, der durch eine Druckluft-betriebene Konstruktion an der Decke bewegt wird: Erst nur allmählich, dann beginnt dieser Schweif aus Ledergürteln und Lederstreifen (der Gedanke an Züchtigung drängt sich auf) über den Boden zu fegen, schwingt immer heftiger und knallt dann wie eine Peitsche auch an die Wände links und rechts. Durchgang auf eigene Gefahr.

Auch weitere Modifizierungen des Raumes – beispielsweise ein massives, gleichwohl bereits deformiertes Metallgeländer, an dem eine Kette mit Handschellen hängt – weisen sado-masochistische Anklänge auf. Doch während der schwarze Schweif in der Mitte mit seiner Bewegung zwischen Spielerei und Bedrohung tatsächlich fesselt, wirken die übrigen Elemente der Installation eher beliebig hinzu addiert und nicht spezifisch genug für diesen sehr speziellen Raum.

Silke Hennig, kulturradio