John Bock "Suggestion", Video ©John Bock, Foto: Raphael Beinder
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Berlinische Galerie - John Bock: "Im Moloch der Wesenspräsenz"

Wer sich noch an "John Bocks Medusa im Tamtam Club" 2006 im Magazin der Berliner Staatsoper erinnert oder an seinen "FischGrätenMelkStand" in der Temporären Kunsthalle im ehemaligen Palast der Republik, weiß, die Titel dieses inzwischen international mit Ausstellungen bedachten Künstlers sind immer ziemlich rätselhaft. Und so auch jetzt bei seiner Ausstellung in der Berlinischen Galerie.

"Im Moloch der Wesenspräsenz" ist ein Parcours, der alle wesentlichen Elemente des Bock'schen Kunst-Kosmos aufweist. Krude und doch liebevoll zusammengebastelte Assemblagen aus Selbstgemachtem und Gefundenem, aus Flohmarktmöbeln, einem veritablen Imbissstand oder einem großen "Gehege" aus ausgestopften Socken – "Sexy Socks Raum" genannt.  

John Bock "Der magische Krug", Video © John Bock, Foto: Martin Schlecht
John Bock "Der magische Krug", Video © John Bock, Foto: Martin Schlecht

Bock macht aus Aktionen Filme

Auch für Humor ist bei diesem Künstler gesorgt. Er ist eine Ein-Mann-"Recyclingmaschine", der popkulturelle Einflüsse (von Musik bis Horrorfilm) ebenso verarbeitet wie seine eigene Herkunft: John Bock ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und seine "Bauernskulpturen" sind skulptural "weiterentwickelte" Landmaschinenteile.

Ebenso recycelt er aber auch seine eigenen Arbeiten, macht aus Aktionen Filme und aus Requisiten Objekte. Alles das findet sich in dieser Ausstellung. Surreal-poetische Kombinationen - etwa ein Topflappen, der über der Spitze eines Stiefels rotiert - stehen neben wüsten Persiflagen auf Gangster-Action-Splatterfilme, und Regeln dienen dem Künstler eigentlich nur dazu, sie zu brechen.

John Bock "Escape", Video ©John Bock, Foto: David Schultz
John Bock "Escape", Video ©John Bock, Foto: David Schultz | Bild: John Bock, Foto: David Schultz

Der Spaß ist oft ansteckend

Entscheidend dabei ist weniger das Ergebnis, Hauptsache: Machen und Weitermachen. Auch wenn der Spaß dabei oft grob sein mag, er erweist sich als durchaus ansteckend - mitunter anstrengend, aber jedem steht frei, einfach weiterzugehen. Beeindruckend auf alle Fälle ist der Grad an Selbstermächtigung: Ob John Bock kann, was er tut, spielt nur am Rande eine Rolle. Er fabuliert drauflos und nimmt seine Sache so ernst wie Kinder das Spielen - und das heißt schöpferisch zu sein und grenzenlos.

Silke Hennig, kulturradio

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