Henri Matisse: "Le lanceur de couteaux" (Der Messerwerfer), aus "Jazz"
Bild: Kupferstichkabinett/ Jörg P. Anders

Kupferstichkabinett - Staatliche Museen zu Berlin - "Wir geben den Ton an"

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Im Sommer hat man's gerne ein bisschen leichter: Das Essen, die Kleidung, die Arbeit.  Das berücksichtigt seit einigen Jahren auch das Berliner Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und bietet eine Sommerausstellung.

Da geht es dann mal nicht um neueste kunsthistorische Forschung, sondern um Themen, die durchaus auf die leichte Schulter genommen werden dürfen (aber nicht müssen), um's Baden, um den Hund oder das Reisen in der Kunst. In diesem Sommer spielt die Musik im Kupferstichkabinett:  'Wir geben den Ton an' heißt die Ausstellung, die  rund 100 Werke vom Mittelalter bis in die Gegenwart umfasst. Darunter befinden sich aber nicht nur Darstellungen von Instrumenten oder Musikerporträts, musizierende Musen und Allegorien.

Edvard Munch: "Geigenkonzert", 1903
Edvard Munch: Geigenkonzert ©Kupferstichkabinett/Dietmar Katz

Henri Matisse experimentiert zu Jazz

Im 20. Jahrhundert versuchen Künstler, Analogien zur Musik ins Bild zu setzen: Henri Matisse z.B. in seinem Künstlerbuch 'Jazz', wo er mit Rhythmus, Form und Farbe experimentiert. Aber auch Notenblätter und Jahrhunderte alte Bücher mit liturgischen Gesängen sind Teil der Ausstellung – denn ist die Notenschrift selbst nicht auch eine Art Zeichnung, bestehen Noten nicht aus den zeichnerischen Elementen Punkt und Strich? 'Komposition', 'Variation', 'Rhythmus' sind relevant sowohl für Musik, als auch Kunst.

Andrea Mantegna: "Das Bacchanal mit dem Silen", um 1473-1475
Andrea Mantegna: Bacchanal mit dem Silen © Kupferstichkabinett/ Volker-H. Schneider | Bild: Kupferstichkabinett/ Volker-H. Schneider

Lithographien entstanden, um Noten zu drucken

Wie vielfältig die Bezüge zwischen beiden sein können, illustriert u.a. ein Notenblatt von 1796: Bei der Musik für den 'Feldmarsch der Churpfalzbayerischen Truppen' handelt es sich nämlich um die allererste Lithographie. Dieses in der Bildenden Kunst wegen seiner 'malerischen' Möglichkeiten so geschätzte Druck-Verfahren wurde nämlich ursprünglich eingeführt, um Noten zu drucken. Den Ton in der Kunst hat also tatsächlich manchmal die Musik angegeben.

Silke Hennig, kulturradio

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