Trak Wendisch: Seiltänzer, 1984 ©VG Bild-Kunst
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Museum Barberini Potsdam - "Hinter der Maske. Künstler in der DDR"

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Einmal mehr erweist sich das Museum Barberini in Potsdam mit dieser Ausstellung nicht als Sammler-Museum, sondern als private Kunsthalle. Von den rund 100 Werken stammen nur 10 aus der Sammlung des Hausherrn Hasso Plattner, aber wiederum schließt das Haus mit einer Themenausstellung an ein Sammlungsinteresse seines Gründers an: Kunst aus der DDR.  

"Hinter der Maske. Künstler in der DDR" rückt die Selbst-Darstellung von Kunstschaffenden in der DDR in den Mittelpunkt. Selbst-Wahrnehmung bis hin zur Selbst-Inszenierung seien das beherrschende Sujet der DDR-Kunst, so die Kuratoren Valerie Hortolani und Michael Philipp. Einerseits macht die Ausstellung damit ein weites Feld auf, denn die genaue Ausgestaltung reicht von altmeisterlich bis expressiv, von Malerei über Fotografie bis Plastik, von Einzel- über Gruppenbildnisse bis hin zu Atelierbildern. Andererseits ist dieser Fokus aber auch sehr beschränkt, denn die politischen Bedingungen, unter denen diese Arbeiten entstanden, bleiben weitestgehend ausgeklammert.

Die ästhetischen Vorgaben der Politik

Diese Konzentration rein auf die Kunst legt den unmittelbaren Vergleich der Werke untereinander nahe und macht in besonderem Maße augenfällig, wie stark die kunsthistorischen Kontinuitäten waren, wie viel von Beckmann, von Matisse, von den Expressionisten weiterlebte in der Kunst der DDR.

Die eigene Zeit ließ sich ganz offensichtlich am ehesten durch Rückgriffe in die Kunstgeschichte darstellen. Entsprechend mager fällt daher die Abteilung 'Formexperimente' in der Ausstellung aus. Und auch wenn der sozialistische Realismus viele Varianten hervorbrachte: Die ästhetischen Vorgaben der Politik werden so in ihrer Auswirkung besonders deutlich.

Erich Kissing: Leipziger am Meer, 1976–1979 ©VG Bild-Kunst
Erich Kissing: Leipziger am Meer ©VG Bild-Kunst

Sichtbar wird damit aber eben auch zum Problem dieser Ausstellung, dass sie die politische Dimension gerade nicht zum Thema machen will. Denn indem man Bilder in einem Saal vereint - Bilder wie beispielsweise  ein Selbstporträt des Malers und Funktionärs Willi Sitte ("Selbst mit Tube und Schutzhelm", 1984) und ein 'Strichmännchen'-Bild von A.R. Penck  ("Ich", 1970) - als ginge es nur darum, Belegexemplare für die Ausdrucksvielfalt in der  Kunst der DDR  aufzuführen, wird keinem gerecht.  

Denn es führt kein Weg an der Politik vorbei, wenn die Künstler und Künstlerinnen selbst nicht um die Politik herumkamen. Sie steckt  – explizit oder implizit – in diesen Werken drin. Sicher wird darüber und über den Umgang mit der DDR-Kunst noch viel diskutiert werden.  Die Ausstellung "Hinter der Maske" im Museum Barberini immerhin ist ein Beitrag dazu.

Silke Hennig, kulturradio