Edward Hopper: "Sonntag", 1926 © Phillips Collection/Walter Larrimore
Bild: Phillips Collection, Walter Larrimore

Museum Barberini Potsdam - "Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne"

Bewertung:

Nach seinen Eröffnungsausstellungen zeigt das Museum Barberini jetzt amerikanische Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. "Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne" ist der Titel der Ausstellung, für die die Phillips Collection 68 Werke der frühen amerikanischen Moderne nach Potsdam geschickt hat.

Was genau das Museum Barberini zum Programm hat, ist zwar ein knappes halbes Jahr nach seiner Eröffnung noch so wenig klar wie Umfang und Inhalt der Sammlung seines Bauherren und Gründers, des Unternehmers Hasso Plattner,  aber die neue Ausstellung ist zweifellos sehenswert. Sie besteht vollständig aus Leihgaben der Phillips-Collection in Washington D.C. und zeichnet nach, wie und wann die amerikanische Malerei begann, sich von europäischen Vorbildern zu emanzipieren.

Arthur G. Dove: "Rote Sonne", 1935 © The Phillips Collection
Arthur G. Dove: "Rote Sonne", 1935 © The Phillips Collection

Die Ausstellung setzt weit vor Hopper an

1921 gegründet - und damit Amerikas erstes Museum moderner Kunst - war es das Ziel des ehemaligen Kunstkritikers Duncan Phillips, sein ererbtes Vermögen dazu zu nutzen, eine Sammlung wegweisender Kunst seiner Zeit aufzubauen. Diese Kunst kam zunächst mal aus Europa und Phillips wollte seine Landsleute damit vertraut machen. Daneben aber kaufte er auch Werke amerikanischer Künstler und stellte so gewissermaßen einen Kanon amerikanischer Kunst zusammen, der jetzt "in nuce" im Museum Barberini gezeigt wird.

Die Ausstellung setzt dabei - anders als der Titel suggeriert - weit vor Edward Hopper an, nämlich bereits im 19. Jahrhundert. Während das Gros der Malerei da noch europäischen Vorbildern folgt, zwischen Realismus und Spätimpressionismus angesiedelt ist, und nur wenige Künstler eigene Wege beschreiten, kristallisiert sich doch früh die Bedeutung von "Landschaft" als zentralem Thema der amerikanischen Malerei heraus:  Landschaft als Idyll, als menschenleere Weite, aber auch Stadt -  besonders in ihrer spezifisch amerikanischen, d.h. vertikalen Ausprägung -  wurde als gebaute Landschaft ab den 1920er Jahren ins Bild gesetzt. Selbst die großformatigen Werke der Abstrakten Expressionisten, mit denen die amerikanische Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg die Kunst international prägte, lassen sich als Farb-Landschaften lesen.

Milton Avery: "Schwarze See", 1959 © VG Bild-Kunst, Bonn
Milton Avery: "Schwarze See", 1959 © VG Bild-Kunst, Bonn

Unbekannte Maler und Malerinnen entdecken

Besonders sehenswert dabei sind die Positionen "dazwischen" von Künstlern wie Milton Avery z.B., von dem allein elf Werke in der Phillips Collection sind und der 1959 eine "Schwarze See" so malte, dass eine kleine schwarze Fläche durch einen diagonalen Gischt-Kamm getrennt wird von einer beigefarbenen Fläche, die bei näherer Betrachtung alles andere als rein beige ist: Ein Bild, das genau auf der Grenze zwischen Abstraktion und Repräsentation balanciert.

So sind in dieser Ausstellung hierzulande unbekannte Einzelgänger ebenso zu entdecken wie berühmte Maler und Malerinnen (Richard Diebenkorn oder Helen Frankenthaler z.B.), die in deutschen Sammlungen kaum zu finden sind. Der Auftritt im Museum Barberini dürfte daher für die Phillips Collection doppelt lohnend sein. Denn die Ausstellung wirkt wie eine Aufforderung, in Washington die ganze Sammlung kennenzulernen - wenn sie denn mal wieder geschlossen vor Ort ist, denn im Moment ist der Altbau, das Stadtpalais der Phillips, wegen Renovierung geschlossen.

Museum Barberini "Von Hopper bis Rothko" © Museum Barberini/ Foto: Helge Mundt
Museum Barberini "Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne" © Foto: Helge Mundt | Bild: Museum Barberini/ Foto: Helge Mundt

Und auch sonst sind Werke der Sammlung viel auf Reisen, denn die finanzielle Ausstattung der Phillips Collection ist mager und auch wenn darüber keiner gerne spricht: Die Übernahme von Versicherungskosten, wenn nicht gar Leihgebühren -  auch das trägt zu ihrem Überleben bei.

Silke Hennig, kulturradio