Fotografie von Sam Shaw: Marilyn Monroe, Amangansett, New York 1957 (Quelle: © Sam Shaw Inc. / www.shawfamilyarchives.com)
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Filmmuseum Potsdam - Sam Shaw - 60 Jahre Fotografie

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Marlon Brando, Paul Newman, Audrey Hepburn, Sidney Poitier – der Fotograf Sam Shaw hat sie fast alle porträtiert, die Ikonen der Filmgeschichte. Allen voran Marilyn Monroe, mit der er eng befreundet war.

Es gibt Fotos, die kennt jeder: Das Bild von Marilyn Monroe z.B., wie sie mit hochfliegendem Rock auf dem Gitter über einem U-Bahn-Schacht steht. Es ist eine Szene aus dem Film "Das verflixte 7. Jahr" von 1954. Das Standfoto aber, und die Idee, es als Schlüsselbild zu verwenden, um den Film zu bewerben, stammt von Sam Shaw (1912-1999), einem New Yorker Fotografen, der viele Stars für renommierte Magazine wie "Life" fotografierte. Dass sein Name dennoch wenig bekannt ist, mag daran liegen, dass er sich nicht nur auf eine Karriere als Fotograf konzentrierte, sondern auch noch anderen Interessen nachging.

Shaw hatte ursprünglich Kunst studiert und sich dann, als Broterwerb, auf Fotojournalismus verlegt. Er arbeitete als Set-Fotograf in Hollywood, fotografierte aber auch, was er im Umkreis von Dreharbeiten vorfand, wie im Fall von "Alexis Sorbas", wo er die einfachen armen Leute auf Kreta festhielt oder den Hauptdarsteller Anthony Quinn, mit dem er eng befreundet war, beim Backgammon-Spiel mit Einheimischen.

Die Kamera hatte Shaw immer dabei – meistens, wie einige Aufnahmen von ihm in der Ausstellung beweisen – sogar zwei: Eine in der Hand, eine um den Hals. Das änderte sich auch nicht, als er begann, selbst Filme zu produzieren. Insbesondere für seinen Freund John Cassavetes, den Pionier des  unabhängigen amerikanischen Kinos wurde er so zu einem wichtigen Partner, der darüber hinaus Vorlagen für Kulissen und Plakate lieferte.

Mehr als Hollywood

Die Retrospektive, die jetzt im Filmmuseum Potsdam Station macht, versucht einen Überblick über all diese Facetten der künstlerischen Arbeit Sam Shaws zu geben. Sie zeigt nicht nur seine Set-Aufnahmen oder Schauspieler-Porträts, sondern auch Fotos einer ausgedehnten Reportage-Reise, die er Mitte der Vierzigerjahre für ein amerikanisches Magazin unternahm.

"Wie Amerika lebt" hieß diese Serie, für die er vor allem in den Südstaaten fotografierte: Aufnahmen, die von einer subtilen Parteinahme für die Armen, insbesondere die Schwarzen zeugen. Shaw war offenkundig ein "Menschen-Fotograf", der diese bevorzugt in einen erzählenden Kontext stellt: Eine karge Landschaft, wie im Fall zweier alter Frauen, die er vor einer wüsten Weite in Spanien zeigt oder auch Marilyn Monroe, die er, als sie bereits ein Star war, in privaten Alltagssituationen an einem Kiosk oder Imbiss-Tresen fotografiert – in Schwarzweiß, wie alle Aufnahmen in dieser Ausstellung.

Dabei hat Sam Shaw auch ein riesiges Archiv an Farbaufnahmen hinterlassen, doch Schwarzweiß wird eher als "Kunstfotografie" wahrgenommen. Und so will man Sam Shaw hier präsentieren, auch wenn das am Kern seines Schaffens vorbeizielt. Denn eigentlich folgte Shaw eher einem journalistischen Ansatz: "Spontane Lebensbewegungen" zog er erklärtermaßen perfekten Aufnahmen vor.

Silke Hennig, kulturradio

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