Hito Steyerl_How Not to Be Seen ©Hito Steyerl
Bild: Hito Steyerl

C/O Berlin und Museum für Fotografie - Überwachung und Fotografie

In Zeiten "gehackter" und "geleakter" Mails, von Aufklärungs-Drohnen und Video-Kameras an öffentlichen Orten  ist das Thema "Überwachung" geradezu allgegenwärtig. Künstler wie Trevor Paglen, der bekannt wurde mit Aufnahmen von Spionage-Satelliten am Himmel, widmen ihr gesamtes Werk der Auseinandersetzung damit. Wie Paglen sind natürlich einige von ihnen auch in diesem Ausstellungs-Gemeinschaftsprojekt der Nachbarn c/o Berlin und Museum für Fotografie vertreten.

Unerwarteter ist, welche lange Geschichte das Thema aufweist. Der kulturgeschichtliche Teil dieses Ausstellungs-Dreiklangs, "Das Feld hat Augen" im Museum für Fotografie, führt nämlich bis in die Zeit des Barock zurück, als das Auge Gottes, das den Menschen in den hintersten Winkel ihrer Herzen zu blicken vermag, zur festen Bildformel wurde: Ein hoch am Himmel schwebendes Auge in einem Dreieck oder Strahlenkranz.

Mit der Aufklärung wurde daraus dann das alles durchdringende Auge der Vernunft, während die weltlichen Herrscher sich zusätzlicher "Augen" bedienen mussten, um über ihre Bürger zu wachen: Das Repertoire, das diese Ausstellung zeigt, reicht vom Nachtwächter im 18.Jahrhundert bis zur Spionage-Kamera in Form eines Feuerzeugs von 1960.

Broomberg | Chanarin_The Painters Wife ©Adam Broomberg |Oliver Chanarin
"The Painters Wife" © Adam Broomberg / Oliver Chanarin

Überwachung ist überall

Gleich daneben, im ehemaligen Kaisersaal des Museums für Fotografie, ist eine Auswahl von Arbeiten zu sehen, mit denen heutige Künstler auf das Dilemma reagieren, dass Überwachung (und dazu zählt auch, was wir freiwillig, etwa in sozialen Netzwerken, preisgeben) einerseits überall, aber gleichzeitig im Verborgenen stattfindet. Denn wer weiß schon, wer was mit unseren Daten und Bildern anfängt? 

"Watching You, Watching Me. A Photographic Response to Surveillance", eine Ausstellung der Open Society Foundations des amerikanischen Milliardärs George Soros, umfasst Schulungs-Fotos für Agenten der DDR-Staatssicherheit ebenso wie Aufnahmen des Berliner Fotografen Julian Röder, der Überwacher und Überwachungs-Apparaturen z.B. an den EU-Außengrenzen fotografiert hat. Wie Röder sind auch etliche andere Künstler ebenso im dritten Ausstellungsteil "Watched! Surveillance, Art & Photography" bei c/o Berlin vertreten - Überschneidungen, die das Projekt insgesamt nicht wirklich gut abgestimmt erscheinen lassen.

Wie sehen Bilder von Bodyscannern überhaupt aus?

Auch bei c/o herrscht ein subversiver Ansatz vor: öffentlich zu machen, was im Geheimen geschieht, oder sich selbst zu überwachen wie der chinesische Dissident und Künstler Ai Weiwei, der seiner Überwachung durch die chinesischen Behörden 2012 noch eins drauf setzte, indem er zuhause weitere Kameras installierte und die Bilder live ins Netz stellte. Andere Arbeiten folgen einem aufklärerischen Impetus. Sie zeigen, wie Bilder von Überwachungsapparaturen wie z.B. Bodyscannern überhaupt aussehen - denn die Öffentlichkeit bekommt diese Bilder  normalerweise ja nicht zu sehen.

Jill Magid_Trust Evidence Locker ©Jill Magid
"Trust Evidence Locker" ©Jill Magid | Bild: Jill Magid

Die kritische Botschaft steht der Kunst mitunter im Weg, doch informativ ist dieses Ausstellungsprojekt allemal. Und vielleicht führt diese erste Annäherung zwischen einer öffentlichen und einer privaten Einrichtung auch zu weiteren und engeren Kooperationen - denn statt drei kleineren Ausstellungen hätte man zu diesem facettenreichen Thema auch sehr gut eine große konzipieren können.

Silke Hennig, kulturradio

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