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F. C. Delius: Der Held und sein Wetter; Montage: rbb

Do 20.10.2011

Buch

F. C. Delius: "Der Held und sein Wetter"

Bewertung: gelungen

In diesem Buch prüft Delius die Zusammenhänge zwischen Autor und dem Held einerseits, den Schriftsteller wie er erfinden und der Darstellung und Funktion des Wetters in Romanen und Erzählungen andererseits. Delius nimmt sich erst einmal Beispiele, Romane aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor, die wir auch hilfsweise unter sogenanntem "bürgerlichem Realismus" verstehen. Delius geht dabei von der These aus, dass die Darstellung und Funktion von Wetter in den untersuchten Romanen bestimmten Prinzipien folgt, etwa mit wenig Aufwand große Wirkung zu erzielen. Von dieser Textkritik und Textuntersuchung geht Delius dann noch einen Schritt weiter und blickt in die ideologische und soziale Dimension solcher Wetterverwendung in den Texten. Delius hatte, wie er schreibt, den naiven Verdacht, das auch in der literarischen Wetterfühligkeit im 19 Jahrhunderts sich, Zitat, "verfestigtes bürgerliches Denken" äußere. Seit dem Scheitern der Revolution von 1848, so Delius, regnete, schneite, stürmte, blaute und graute der Himmel nämlich in der deutschen Erzählprosa wie nie zuvor.

Das Wetter und sein Held
Gefragt wird nach dem Anteil des Beitrages von Wetterdetails an der Wirkung von Romanen. Auf welche Weise reizt das Wetter und seine Darstellung die Phantasie des Lesers? Welche Beziehungen existieren zwischen der Fähigkeit der Autoren zu differenzieren und ihren Wetterverwendungen? Auch verbrauchte triviale Wetterverwendungen in der Literatur werden untersucht, etwa anhand der Frage, warum im bürgerlichen Roman dem zukunftsgewissen Bürger immer die Sonne lacht und warum es im deutschen Realismus immer regnet, wenn die Tragödie unausweichlich wird. Das Wetter wird auch als Stimmungsmacher für bürgerliche Helden, Lebensweisen und Werturteile gezeigt.

Leicht zu lesen ist das Buch nicht, es erfordert Konzentration. Wer das kann, dem erschließt sich ein fast unterhaltsam zu nennendes Stück Textanalyse. Das lässt bereits eine kurze Aufzählung von Wetterdetails ahnen: der verklärende Mond, die antisemitische Sonne, der ahnungsvolle Nebel, ein kupplerischer Wind, kapitalistisches Dreckwetter. Leseerleichternd kommt noch hinzu, dass Delius seine Ansprüche relativiert und erklärt, auch methodisch. Die Darstellung der Rolle des Wetters, sagt er, bedingten einen gewissen Eklektizismus materialistischer, soziologischer und oder psychologischer Gesichtspunkte.

Und dieser Eklektizismus, so Delius weiter, sei Ausdruck des hilflosen Pluralismus der Germanistik, die Banalität des Gegenstands Wetter im Text brauche eben verschiedne Erklärungsweisen.

Schlussendlich will Delius jüngeren Autoren sicher auch sagen, wie man es nicht macht, und wie man’s macht.
Salli Sallmann, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/buch/2011/f__c__delius___der.html

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