Aktueller Musiktitel:
Edward Elgar
Cellokonzert e-Moll, op. 85

Julia Franck: Rücken an Rücken; Montage: rbb

Mo 24.10.2011

Buch

Julia Franck: "Rücken an Rücken"

Bewertung: gelungen

Julia Francks neuer Roman Rücken an Rücken spielt in den Jahren 1954 bis 1962 in der DDR. Wie in ihrem Roman Die Mittagsfrau, der mit dem Deutschen Buchpreis 2007 ausgezeichnet wurde, erweist sie sich auch diesmal als Chronistin deutscher Zustände. Wieder geht sie den Traumatisierungen ihrer Protagonisten nach, die durch Nazizeit, Krieg und Nachkrieg verursacht worden sind.

Eine fortschrittliche Künstlerin
Im Mittelpunkt stehen die Bildhauerin Käthe und ihre beiden Kinder Ella und Thomas. Käthe kennt nur die Kunst oder besser: ihre Kunst, der sie alles unterordnet. Ihre Egomanie lässt sich so bestens rechtfertigen, die Vernachlässigung ihrer Kinder dient eben einem höheren Zweck. Und wenn die Kunst als Begründung allein nicht reicht, dann kann sie auch noch ihren Kampf für den Frieden und die Rechte der Arbeiterklasse ins Feld führen. Käthe ist nämlich eine fortschrittliche Künstlerin.

Gegen diese Mutter, die ihre Kinder gerne mit den Worten anherrscht: "Klammert nicht so", können sich Ella und Thomas nur schwer behaupten. Ihre Rettung ist die Zuneigung und Liebe, die sie sich gegenseitig geben können. Und ihre Sensibilität, die sie trotz und gegen die lieblose und ruppige Atmosphäre, in der sie leben, ausbilden.

"Knüppelharte Fröhlichkeit"
Das Leben des Geschwisterpaares ist, man spürt es, gefährdet. Die beiden werden in zu viele Konflikte und Gefahren verwickelt, ihre Versehrungen nehmen zu, das Ende wird tragisch sein. Doch die Schuld liegt nicht nur bei der Mutter, die ihre eigenen Verletzungen hat, die sie sich selbst und anderen nicht eingestehen will: sie ist als Jüdin 1939 aus der Meisterklasse entlassen worden, hat in Sizilien und später in der Schweiz überlebt. Was ihr widerfahren ist, überspielt sie "mit ihrer knüppelharten Fröhlichkeit".

Dunkle Familiengeschichte
In vielen Facetten und Schattierungen schildert Julia Franck diese dunkle Familiengeschichte, in die viele Fakten ihrer eigenen Familiengeschichte eingegangen sind. In einer ruhigen und konzentrierten Sprache entfaltet sie ein großes Panorama, das von der Angst und der Einsamkeit der Protagonisten erzählt, von Krieg und Nachkriegszeit und vom eingeschränkten Leben in der frühen DDR.
Claus-Ulrich Bielefeld, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/buch/2011/julia_franck___ruecken.html

Fenster schließen!