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Sandra Danicke: Rauchende Frauen – brandgefährlich; Montage: rbb

Di 18.10.2011

Buch

Sandra Danicke: "Rauchende Frauen – brandgefährlich"

Es geht um Lust und Laster und trifft doch beides nicht den Kern. Im Zentrum stehen Frauen, die mal beiläufig, mal äußerst effektvoll inszeniert eine Zigarette in den Fingern halten oder eingehüllt im Qualm dasitzen. Aber nicht gesundheitliche Aufklärung ist das Thema. Wir sind in der Kunst!

Das Buch versammelt 26 Reproduktionen von rauchenden Frauen, fotografiert oder gemalt von Otto Dix, Christian Schad, Max Beckmann, Frida Kahlo, Henri Cartier-Bresson und einigen anderen mehr. Das weibliche Spiel mit dem Accessoire Zigarette und einige künstlerische Reaktionen darauf sind das Thema.

Es war spätestens in den 1920er Jahren als moderne, kluge Frauen zunächst in den Großstädten die Zigarette zu Demonstrationszwecken nutzten. Damit emanzipiert, unerhört und sexy gelten wollten. Später wurde die rauchende Frau auch zur Werbeträgerin. Noch später wurde Rauchen für viele alltäglich und beiläufig. Interessanterweise hat all dies Künstler über die Jahrzehnte hinweg inspiriert. Einige dieser Ergebnisse hat die Autorin zusammengetragen. Die Kunstwerke sind mit kleinen Geschichten versehen, mal zu ihrer Entstehung, mal zu den abgebildeten Frauen.

Repräsentantin einer Epoche
Ein frühes Beispiel ist das Gemälde von Otto Dix: ein Bildnis der Journalistin Sylvia von Harden aus dem Jahr 1926. Darauf zu sehen ist eine hagere Frau mit kurzen Haaren, Monokel tragend, in einem roten, karierten Kleid. Sie ist keine Schönheit, sitzt in einem Cafè vor einem Cocktail und hat natürlich die Zigarette in den gespreizten Fingern. Otto Dix hat sie tatsächlich in einem Berliner Boheme-Café getroffen und angesprochen: "Ich muss Sie malen. Sie repräsentieren eine ganze Zeitepoche."

Sie hat sich geziert nach dem Motto: Sie wollen doch nur meine glanzlosen Augen, meine lange Nase, meinen dünnen Mund ... Und Otto Dix hat ihr dann erklärt, dass er ein Porträt malen wolle, das eine Zeitepoche vertritt, in der es nicht auf die äußere Schönheit einer Frau ankomme, vielmehr auf ihre psychische Verfassung. Letztlich hat die Frau zugestimmt. Sie fühlte sich bestimmt auch geschmeichelt, denn sie wusste, dass sie nun als Intellektuelle wahrgenommen wird, als jemand, der selbstbewusst Dinge tut, die bis dahin nur Männer durften: öffentlich rauchen, trinken und eine eigene Meinung haben.

Eine Buchempfehlung also für eine rauchende kunstsinnige Freundin, aber auch ein Buch für Männer, die emanzipierte und rauchende Frauen eher in der Kunst als im Leben ertragen.
Danuta Görnandt, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/buch/2011/sandra_danicke___rauchende.html

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