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Dambisa Moyo: Der Untergang des Westens; Montage: rbb

Fr 03.02.2012

Buch

Dambisa Moyo: "Der Untergang des Westens"

Bewertung: annehmbar

Auf dem europäischen Kontinent wird Dambisa Moyo noch nicht so stark wahrgenommen wie in anderen Teilen der Welt. 1969 in Sambia geboren, studierte sie in Harvard und Oxford, arbeitete für die Weltbank und anschließend etliche Jahre für die Investmentbank Goldman Sachs. Mit ihrem ersten Buch Dead Aid forderte die Afrikanerin ein Ende der Entwicklungshilfe, weil diese eine eigene Entwicklung verhindere. Für steile Thesen ist sie also gut. So auch hier: Moyo sieht den Untergang des Westens als unvermeidbar an, wenn wir so weitermachen wie bisher. In allen Wachstumsfaktoren, die den Westen groß und stark gemacht haben, sieht Moyo ihn jetzt ins Hintertreffen geraten. Meist durch eigenes Versagen. Diese Faktoren sind Kapital, Arbeit und Innovation:

Kapital – Heute sind fast alle westlichen Staaten verschuldet. Die USA ausgerechnet beim größten Konkurrenten China, was Dambisa Moyo für besonders gefährlich hält.

Arbeit – Westliche Unternehmen haben Produktionen im eigenen Umfeld aufgegeben oder nach Asien verlagert. Zu sehr verlassen wir uns auf Dienstleistungen.

Technologische Innovationen – sind leider häufig verschlafen worden (US-Autoindustrie) oder werden zu schnell weggegeben. Manche sind auch politisch nicht erwünscht.

Das alles muss sich nach Moyo radikal ändern, wird aber nach Moyo "durch die politischen Gegebenheiten (kurze Legislaturperioden und dezentrale Machtverteilung)" eher verschärft als gelöst.

Am Ende entwickelt sie vier Szenarien, von denen sie eins bevorzugt: eine Bankrotterklärung der USA. Diese bedeutet weniger Rückzahlungen an die Gläubiger, insbesondere an China. Anschließend hält Moyo ein protektionistisches, abgeschottetes Nordamerika für möglich. Ob das in der interdependenten Welt funktionieren kann, erscheint allerdings zweifelhaft. Mindestens wäre es eine Abkehr der USA von ihrem Gründungsideal - der Idee der Freiheit und dem freien Welthandel. Außerdem könnte jede "alleingelassene Weltmacht" potentiell als gefährlich von anderen wahrgenommen werden und auch sein.

Aber: Dambisa Moyo ist wieder einmal gut für steile Thesen. Und sie hat eine Weltsicht.
Eckhard Stuff, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/buch/2012/dambisa_moyo__der.html

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