Paolo Hewitt: Fab Fashion; Montage: rbb

Mi 15.02.2012

Buch

Paolo Hewitt: "Fab Fashion"

Bewertung: großartig

Angefangen haben die Beatles im Rocker- und Teddyboy-Look der 50er Jahre, die Haare mit Tolle vorne und nach hinten gekämmt, meist zum „Entenschwanz“. Und die Musik war roher Rock 'n' Roll. In Hamburg ließen sie sich beeinflussen von einer Clique deutscher Kunststudenten, darunter Klaus Voormann und Astrid Kirchner. Die Boys aus Liverpool kleideten sich in schwarze Lederjacken, enge Jeans und Cowboystiefel – ihre pomadigen Frisuren behielten sie einstweilen noch. Dann verschwand der Kotletten- und Gene-Vincent-Look, die Haare wurden nach vorne gekämmt und wurden länger. Astrid Kirchner, die Freundin von Beatle Stu Suttcliffe, hatte die Anregung gegeben. Ein Mode war geboren.

Als Brian Epstein im Dezember 1961 Manager der Beatles wurde, änderte er den Stil der Band radikal. Epstein, eleganter Mittelschicht-Typ, steckte seine Jungs in Anzüge, dazu trugen sie Chelsea Boots mit hohen Absätzen. Für manche symbolisierte das eine Kastration der Band. Lennon schrie später mal einen Interviewer an: "Brian Epstein hat uns sauber gemacht, verdammt noch mal!" Aber das waren dann eben auch die Beatles als Welterfolgsband.

Modische Protagonisten im Wandel
Das Buch über den Stil der Beatles bringt all das gut auf den Punkt – mit Fotos der Band, mit Plattencovern, mit Bildern der Modeszene Swinging Londons und interessanten Texten. Die Beatles haben ihn sich erarbeitet, den frisch geduschten, lausbubenhaften Schwiegersohn-Stil. Sie waren eine zeitlang die modischen Protagonisten Nachkriegsenglands, Nachkriegseuropas und Nachkriegsamerikas. Aber immer im Wandel. Auf einmal tauchten die Rollkragenpullover auf und weiche Wildlederstiefel.

Paolo Hewitt zeigt das schön in seinem Buch: all die Accessoires, die Kleidungen und Verkleidungen. Irgendwann war es der Militärlook und das psychedelische Outfit, wie man es an der Kings Road in Chelsea oder der Carnaby Street dann prompt kaufen konnte. Marihuana und vor allem LSD taten ihren Teil, das schlug sich im Äußeren und in der Musik nieder, als sich die Beatles ins Abenteuer im Pepperland stürzten.

Am Ende war der Stil individualistisch, kein Bandzusammenhalt mehr, nicht musikalisch, nicht in der Mode. Aber selbst hier sieht man: Die Beatles kleideten sich sorgfältig, sogar wenn sie schlampig aussehen wollten.
Michael Seyfert, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/buch/2012/paolo_hewitt__fab.html

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