Alan Rusbridger: Play it again; Montage: rbb

Sachbuch – Musik - Alan Rusbridger: "Play it again"

Bewertung:

Die Ballade in g-Moll von Frédéric Chopin ist für alle professionellen Pianisten eine echte Herausforderung. Für Laien ist sie eigentlich nicht zu bewältigen – aber ein prominenter Laie hat sich 2011 aufgemacht, innerhalb eines Jahres dieses Stück zu lernen und aufzuführen.

Der Chefredakteur der britischen Zeitung Guardian, Alan Rusbridger, ist begeisterter Hobbypianist und hat seine Erfahrungen mit dieser Ballade zu einem Tagebuch zusammengefasst.

Es ist ein langer Weg für Alan Rusbridger, am Ende vier Monate länger als ein Jahr, bis zum Konzert vor Freunden. Das Jahr 2011 hält ihn vor allem mit zwei großen Geschichten in Atem: Die Wikileaks-Veröffentlichungen und der Abhörskandal der Zeitung News of the World. Bei beiden Themen steht der Guardian und damit der Chefredakteur im Zentrum des Geschehens.

Seine Arbeitszeit dehnt sich regelmäßig bis in die Nacht hinein aus. Nebenbei Zeit fürs Klavierspiel abzuknapsen ist keineswegs einfach und wird von manchen auch belächelt, während andere dafür bewundert werden, dass sie für Marathon trainieren.

Jeden Tag eine halbe Stunde

Ganz Journalist geht Alan Rusbridger sein Vorhaben mit Recherchen und Unterstützung von Fachleuten an. Zunächst setzt er sich ein klares Ziel, nimmt sich einen Lehrer und setzt sich fast jeden Tag eine halbe Stunde vor der Arbeit an sein Klavier.

Dann konsultiert er professionelle Pianisten wie Alfred Brendel und Murray Perahia und befragt sie nach ihren Erfahrungen und Ratschlägen. Er verfolgt Twitter und die Fachliteratur und holt sich Rat von Neuro-Spezialisten, um mehr über das Gedächtnis und das Nervensystem zu erfahren.

Immer wieder kehrt Alan Rusbridger zur Frage zurück, was Laien von Profis trennt. Sowohl im Journalismus als auch in der Musik hat sich das Verhältnis in den letzten Jahrzehnten gravierend verändert. Das Buch ist ein starkes Plädoyer fürs Liebhaber-Musizieren, für Kammermusik im Haus und für die Konzentration auf die Musik. Eine halbe Stunde Musik am Morgen macht jeden noch so aufreibenden Tag erträglicher.

Das Buch macht Mut zum Musizieren und gibt aber auch detaillierte Einblicke in die pianistischen Probleme der g-Moll-Ballade, die das bloße Hören zu einem neuen Erlebnis machen.

Dirk Hühner, kulturradio

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