Perikles Monioudis: "Frederick"; Montage: rbb

Roman - Perikles Monioudis: "Frederick"

Bewertung:

Literarische Spuren­suche statt faktensicherer Biographie: In dem Künstlerroman "Fredrick" beschäftigt sich Perikles Monioudis mit den Ängsten und An­triebs­kräften des Stepptänzers Fred Astaire.

Er war der beste, eleganteste und berühmteste Stepptänzer der Welt: Fred Astaire. Auf der Liste des Ameri­can Film Institutes der 25 größten männlichen Filmlegenden steht er auf Platz fünf. Mit dem Tanzen begonnen hatte er als kleiner Junge, der an der Seite seiner älteren Schwester ausge­bildet wurde und mit ihr als „tanzendes Kinderpaar“ auf den Bühnen der ame­rikanischen Vaudeville Theater unterwegs war. Der neue Roman des Schweizer Autors er­zählt die Ge­schichte dieses (1899 geborenen, 1987 gestorbenen) großen Stars, der kein be­sonders schöner Mann war, aber ein genialer, ein "Tänzer ohne Makel".

Perikles Monioudis hat keine faktensichere Biographie über diesen Künstler geschrieben (der sich von Be­ginn an um seine dünnen Haare und großen Hände sorgte). Er begibt sich in sei­nem neuen Buch vielmehr auf eine literarische Spuren­suche, in der die Ängste und An­triebs­kräfte des Tänzers bearbeitet und variiert werden. Es geht um die innere Stimme und die äußere Haltung, um Selbstwahrnehmung und Hollywood­glamour. "Ein menschliches Schlag­zeug wollte er mehr als einmal sein, ein Stepptänzer mit der Präzision eines Drummers, und das war er ja auch, Frederick, der Hoofer, wie man die Stepptänzer und wie auch er selbst sich stets nannte; ein einfacher Hoofer sei er, wurde Fre­de­rick nicht müde zu sagen, wenn man ihn nach der Schönheit, der Vollendung seines Tanzes fragte."

Es geht in diesem Künstlerroman um die Frage nach der Körperhaltung und dieser Vollend­ung, um die Hände, die mindestens so wichtig sind wie die Füße, um die Filme, um Tanz­part­nerinnen wie Ginger Rodgers oder Rita Hayworth, nicht zuletzt um die Songs, die sich für immer ins kollektive Kinogedächtnis eingeschrieben haben: etwa "Night and Day" oder "Cheak to Cheak". Der Autor beschreibt kenntnisreich Filmszenen und Dreharbeiten, erzählt einfühlsam von einer großen Liebe ebenso wie von der ehrgeizigen Leidenschaft fürs Golf­spielen. Der Ro­­­man  wird getra­gen von einer großen Faszination für diesen "Künstler ohne Defizite", sei­ner unglaublichen Beweglich- und Schnelligkeit und seinem Hang zur Perfek­tion. Das letzte Wort des Kompo­nisten Irving Berlin, der Astaire die schönsten Titel schrieb, aber keine Noten lesen konnte, soll dem bewunderten Freund gegolten haben: Frederick.

Manuela Reichart, kulturradio

Mehr Belletristik

Mehr Infos zum Thema

Perikles Monioudis: "Frederick"

dtv, München 2016
ISBN 978-3423280792
Gebunden, 221 Seiten
19,90 Euro