Rainer Schmitz, Benno Ure: Tasten Toene und Tumulte; Montage: rbb
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Sachbuch - Rainer Schmitz, Benno Ure: "Tasten, Töne und Tumulte"

Bewertung:

Ein Musiklexikon, das Schlagworte hat wie "Tod auf der Bühne", "Theremin" und "Toilettenpapier", verspricht einen ungewöhnlichen Blick und überraschende Erkenntnisse mit einer humoristischen Note. Aber das kiloschwere Buch bietet mehr als unnützes Wissen und netten Stoff für Smalltalk.

Eines darf man bei diesem Lexikon nicht: Nachschlagen. Die Autoren, ein Zeitschriftenredakteur und ein Kinderchirurg, haben den größten Spaß daran, Anekdoten und leicht skurrile Fakten unter originellen Stichworten zu verstecken. So sind die etwa 2000 Artikel weniger lexikalisch als glossierend zu verstehen. Es sind lauter Einladungen zum Querlesen und Schmökern. Der Schwerpunkt liegt auf dem 19. und 20. Jahrhundert, vor allem im Bereich der Oper.

Puccini, Wagner und Verdi tauchen immer wieder auf mit den Hauptthemen Sex, Tod und Krawall. Neben den Anekdoten gibt es auch Sachartikel über seltene Instrumente und medizinische Phänomene. Verstörend sind immer wieder Artikel, die Krieg und Verfolgung beschreiben und den Plauderton konterkarieren. So geht es im Eintrag "Toilettenpapier" um den Komponisten Rudolf Karel, der sein letztes Werk im KZ Theresienstadt auf Toilettenpapier schreiben musste.

Jede der über 1000 Seiten regt zum Weiterblättern an

Nicht alles in dem Buch ist neu oder unbekannt, vieles ist auch nur amüsant dargeboten und neu arrangiert. Jede der über 1000 Seiten regt zum Weiterblättern an oder zum Verfolgen der ausgiebigen Verweise. Bei langen Auflistungen zum Beispiel von Kritiker-Bosheiten kann auch mal Monotonie aufkommen. Dann blättert man eben weiter zum nächsten Fundstück. In der ungeheuren Vielfalt der Höchstleistungen und Abgründe liegt auch eine philosophische Erkenntnis: Musik macht die Welt nicht besser, aber bunter.

Dirk Hühner, kulturradio

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