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Bild: Mare Verlag

Zum Wiederlesen empfohlen - Stephen Crane: Das offene Boot und andere Erzählungen

Bewertung:

Stephen Crane, geboren 1871 in New Jersey, wurde nur 28 Jahre alt; aber er hinterließ ein Werk, das die späteren Erzähler der Moderne, allen voran Ernest Hemingway, entscheidend beeinflusst hat.

Sein erster Roman, den er mit 21 Jahren veröffentlichte, ist die Geschichte eines Straßenmädchens in der New Yorker Bowery: ein frühes, wenn nicht überhaupt das erste Werk des amerikanischen Naturalismus. Das Buch galt als moralisch anstößig und brachte dem Autor einen etwas zweifelhaften Ruf ein, unter dem er später sehr zu leiden hatte. Sein nächstes größeres Werk "Die rote Tapferkeitsmedaille" war ein Soldatenroman, der einen ungewohnten Blick auf Kriegsgeschehen und -erleben eröffnete und sofort zum Bestseller wurde.

Crane überlebte ein Schiffsunglück nur knapp

Cranes damals so neue und noch heute faszinierende Handhabung der Perspektive findet sich auch in seiner berühmtesten Erzählung: "Das offene Boot". Sie handelt von einem Schiffsunglück, an dem Crane persönlich beteilgt war: Die SS Commodore, ein heruntergekommener Frachter, schmuggelte im Winter 1896/97 Waffen von Florida nach Cuba, wo der Unabhängigkeitskrieg mit Spanien im Gange war. Die Commodore sank nach mehreren Havarien und Schäden in einem schweren Sturm Anfang Januar vor der Küste Floridas. Crane überlebte die Katastrophe nur knapp - mit nur vier Besatzungsmitgliedern nach Tagen in einem kleinen Ruderboot in stürmischer See. Er trug eine schwere Tuberkulose davon, an der er drei Jahre später starb.

Eine lohnende Wiederentdeckung

Was Crane als Erzähler aus dem traumatischen Erlebnis seines Schiffbruchs gemacht hat, ist beeindruckend. Mehrfach hat er es in Geschichten gefasst oder eingebaut: in einen autobiografischen Bericht, in eine Erzählung aus der Sicht des Kapitäns und als Teil anderer Prosastücke. In diesem, jetzt beim mare-Verlag erschienenen Sammelband kann man sie nun in neuer Übersetzung nachlesen: eine Auswahl der besten Seegeschichten, Reportagen und Sozialstudien eines fleißigen und kühnen jungen Autors. Eine Wiederentdeckung, die sich unbedingt lohnt.

Katharina Döbler, kulturradio

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