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Sachbuch - Martin Geck: "Die kürzeste Geschichte der Musik"

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Wie kurz kann die Geschichte der Musik zusammengefasst werden? Genau 192 Seiten sind es beim Musikwissenschaftler Martin Geck. Mehr braucht er nicht für einen Durchgang durch etwa fünftausend Jahre Musikgeschichte. Ein Ding der Unmöglichkeit und dennoch erhellend.

Martin Geck greift nach Laune und Wissen 19 kurze Kapitel aus der Musikgeschichte heraus. Das können Epochen sein wie das Mittelalter oder einzelne Komponisten wie Beethoven oder auch Gattungen wie die Kirchenmusik. Neben den Klassikern, ohne die es einfach nicht geht wie Bach, Mozart, Beethoven und Wagner hat er auch Überraschungen parat: so ein Kapitel über Clara Schumann und ein Kapitel über Blues, Jazz und Popmusik.

Verständnis wecken und das Erleben vertiefen

Das Buch wendet sich an alle, die sich gern, aber nur oberflächlich mit Musik beschäftigen. Bei ihnen will Geck mehr Verständnis wecken und das Erleben vertiefen. Aber er wendet sich auch an sich selbst. Er kreist auch wie bei einer Selbstvergewisserung um die Frage, warum sich ein Intellektueller ausgerechnet auf die Musik wirft und sich ein Leben lang damit beschäftigt. Immer wieder blinzelt der Autor aus den Zeilen heraus und schildert seinen Umgang mit Musik. Zum Beispiel erscheint er im Wagner-Kapitel als junger Herausgeber, der mit der Mühe kämpft, tausende Noten zu vergleichen. So ist das Buch auch ein Selbstporträt des emeritierten Musikwissenschafts-Professors und umfänglichen Buchautors.

Wie Musik entstand und gespielt wurde

Die "kürzeste Geschichte" setzt einige auch Kenner anregende Akzente. Das betrifft vor allem die Zeit ab dem 19. Jahrhundert. So gibt es ein Kapitel über die Lieder des Vormärz, in dem es um Musik und Politik geht. Und es gibt ein Kapitel über Clara Schumann. Darin wird sehr plastisch geschildert, wie schwer es für eine Frau im 19. Jahrhundert war, sich als Komponistin und Pianistin durchzusetzen. Durch das ganze Buch zieht sich die Auseinandersetzung mit der jeweiligen Situation, in der die Musik entstand und gespielt wurde.

Ein vor zehn Jahren erschienenes Buch in Neuverpackung

Natürlich kann das Buch nicht alle Aspekte und Namen der Musikgeschichte erwähnen. So fehlt vor allem Musik außerhalb von Deutschland und Österreich. Das Schlusskapitel über Blues und Jazz soll den Bogen zum Anfang zurückschlagen, wo es um die Musik der prähistorischen Naturvölker geht. Dafür sind aber doch die gesamten Umstände zu weit voneinander entfernt. Ein kleines Ärgernis ist auch, dass es sich nicht um ein neues Buch handelt, sondern um eine Neuverpackung des vor zehn Jahren erschienenen Buchs "Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt".

Eine anregende Lektüre

Dennoch ist es eine anregende und Musizierlust-fördernde Lektüre. Wenn man auch nur einen einzigen Akkord anschlägt, fühlt man gleich den Hauch der Geschichte und den Bezug zur ganzen Menschheit und darüber hinaus. Das ist das Credo des Autors, der uns damit auch einen Schlüssel zu einem umfassenden Musikverständnis gibt.

Dirk Hühner, kulturradio

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