Konrad Küster: Musik im Namen Luthers © Bärenreiter Metzler/Montage: rbb
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Musikbuch - Konrad Küster: "Musik im Namen Luthers"

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Martin Luther hat nicht nur Kirchen- sondern auch Musikgeschichte geschrieben mit eigenen Liedern, aber auch mit der Verankerung der Musik im Gottesdienst. Was kleine Kantoren und große Meister wie Schütz und Bach dem Reformator verdanken, trägt Konrad Küster akribisch zusammen.

Das Buch ist sowohl für interessierte Laien als auch für Wissenschaftler lesbar. Konrad Küster entgeht kein Detail, wenn es zum Beispiel um Gottesdienstordnungen oder den Orgelbau geht. Immer interessieren ihn auch die politischen und sozialen Umstände. Man erfährt u.a. dass ein Gesangbuch zur Zeit Luthers etwa so teuer war wie eine Kuh. Küster bemüht sich dabei immer um einen verständlichen Stil mit vielen Zwischenfragen, die das Interesse immer wieder stimulieren.

Im Zentrum stehen deutlich die beiden Komponisten Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach. Auch wenn das Buch chronologisch vorgeht, ist doch das Hauptinteresse des Autors, bei beiden Meistern nachzuweisen, wie stark sie von ihren Vorgängern profitiert haben. Das kratzt ein wenig an der jeweiligen Singularität, lässt aber ihre individuellen Leistungen umso deutlicher hervortreten. So wird Schütz als internationaler Geist gezeichnet, der italienische Musik nach Dresden importierte. Bach erscheint als selbstbewusster Praktiker, der die Leipziger Möglichkeiten bestens nutzte und sich vom Kantaten- zum Oratorienkomponisten entwickelte.

Konrad Küster erweist sich als Anwalt der Kantoren, die seit dem 16. Jahrhundert für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste und für die Bewahrung einer professionellen Tradition zuständig waren. Da kann er sich im ansonsten sehr dünnen Kapitel über das 20. Jahrhundert auch nicht die Bemerkung verkneifen, dass der zur Gitarre greifende Pfarrer unserer Tage diese Tradition mit Füßen tritt.

Bei aller Detailtreue hätten sowohl Luthers eigenes musikalisches Wirken als auch die Abgrenzung zur katholischen Musik stärker umrissen werden können. Auch die Nachwirkungen Bachs und die Wandlung der Kirchenmusik zur Konzertmusik werden sehr summarisch abgehandelt.

Das Buch vermittelt eine Vielzahl von Einblicken: Einblicke in die mühsame Arbeit des Musikforschers, der einen "Tunnel" durch die Geschichte graben will und dafür jedes kleine Dokument durchleuchtet. Einblicke in die Entwicklung der Kirchenmusik und des Orgelbaus im Raum zwischen Dresden und Kopenhagen. Und Einblicke in die Praxis der großen Meister Schütz und Bach.

Dirk Hühner, kulturradio

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