Sabine Henze-Döhring, Sieghart Döhring: "Die 101 wichtigsten Fragen – Oper"; Montage: rbb
C. H. Beck
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Musikbuch - Sabine Henze-Döhring, Sieghart Döhring: "Die 101 wichtigsten Fragen – Oper"

Bewertung:

Vor Fragen wie "Was soll ich anziehen?" oder "Wann darf ich klatschen?" stand sicherlich schon jeder Opernbesucher. Das Autorenpaar stellt und beantwortet gleich 101 solcher Fragen für Einsteiger und Opernfans.

Bei den Fragen geht es hauptsächlich um die Geschichte und verschiedene Formen der Oper. Darüber hinaus gibt es Fragen zu Stoffen und Komponisten, zu Sängern, zur Organisation, zu Medien und zum Publikum. Man kann das Buch an jeder Stelle aufschlagen und kann sich schnell und sachlich informieren.

Die beiden Autoren sind ausgewiesene Opernspezialisten, die ihr Leben lang Musik- und Theaterwissenschaft betrieben haben und die leidenschaftlich für die Oper als Kunstform eintreten. Oper ist für sie ein sinnliches Fest, auch wenn es um historische Themen geht. So liegt ihr Schwerpunkt eindeutig in der historischen Darstellung. Aus ihrer Abneigung gegen das Regietheater machen sie keinen Hehl.

Durch die gute Gliederung sind die Fragenkomplexe so gestaltet, dass man mehrere Fragen hintereinander trefflich lesen kann. Nachteil ist eine gewisse Monotonie und der Zwang zu Kürze. Zum Beispiel hätte der Begriff Belcanto eine etwas ausführlichere Darstellung verdient.

Einige Sachverhalte wie die Problematik der Sprachen bei internationalen Besetzungen erscheinen in mehreren Artikeln. Am meisten wird die Lesefreude jedoch durch den rein formalen Zwang gehemmt, jedes Stichwort quasi bei Null zu beginnen.

Dennoch bleiben viele Details und überraschende Erkenntnisse hängen. Zum Beispiel erfährt man, dass Richard Wagner das Regiebuch erfunden hat, also eine Partitur mit zusätzlichen leeren Seiten für die Regieanweisungen, wie es bis heute im Gebrauch ist.

Für ein Opernbuch ist der schmale Band sehr aktuell. Die Autoren gehen auch auf aktuelle Regiekonzepte und mediale Erscheinungen wie Streaming ein. So schließt die 101. Frage nach der Zukunft der Oper mit sehr hoffnungsvollen Gedanken. Die Autoren treten als Verteidiger der Kunstform gegen den Vorwurf des Elitären, gegen selbstherrliche Regisseure und schwache Intendanten  auf und glauben an ein Weiterbestehen als zu Herzen gehendes Fest abseits des Alltags.

Für Opernbesuche halten sie viele Anregungen und Informationen bereit, die nicht nur die Pausengespräche bereichern.

Dirk Hühner, kulturradio

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