Stefan Volk: "Was Sie schon immer über Kino wissen wollten"; Montage: rbb
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Sachbuch - Stefan Volk: "Was Sie schon immer über Kino wissen wollten"

Bewertung:

Das passende Buch zur Berlinale: In der Schlange am Kartenschalter kann man darin blättern oder sich festlesen, sich amüsieren und wundern, in jedem Fall interessante (und auch überflüssige) Kino­kennt­nis­se erlangen.

Im Vorwort betont der Freiburger Autor den - sympathischen - Charakter dieses Buchs: "Es ist ein Reisebegleiter für Flaneure in den schier unendlichen Weiten des Filmwissens, der ei­nige wichtige, wesentliche At­traktionen beleuchtet, aber immer wieder auch Schlaglichter auf abseitige scheinbar überflüssige Details wirft, Vertrautes und Überraschendes, Hilfreiches und Unnützes gleichermaßen listet, auf­zählt oder in Erinnerung ruft."

Famose Filmanfänge

Zum Einstieg wird an "famose Filmanfänge" erinnert: "Vertigo" von Alfred Hitchcock etwa, der mit einem unglaublichen Blick in die Tiefe von James Stewart beginnt oder "Der weiße Hai" von Steven Spielberg, der sich unvergesslich und angsteinflößend für immer ins Gedächtnis eingeschrieben hat: Ein junges ausgelassenes Paar am Strand, sie springt ins Wasser, er schläft betrunken ein. Sie wird das erste Opfer des (noch unsichtbaren) Mörder-Hais. Wer die hier beschriebenen Filme noch nie gesehen hat, kann sich auf großartige erste Kinominuten freuen, wer die Szenen kennt, erinnert sich sofort – an "2001 Odyssee im Weltraum" etwa oder "Spiel mir das Lied vom Tod". Sofort möchte man die Filme wiedersehen.

Listen der besten Filme

In diesem Kinobuch der unterhaltsamen Art werden etwa unterschiedliche Schnittfassungen aufge­führt: "Casablanca" zum Beispiel wurde im Nachkriegsdeutschland nur in einer verstümmelten Fass­ung ge­zeigt, weil man die Kino­gän­ger nicht mit "deutsch-feindlichen Tendenzen" ver­stimmen wollte und in Hitch­cocks "Berüchtigt" wurden die mit Uranerz handelnden Alt-Na­zis zu Dro­gengendealern.

Es geht um Doubles und Stuntmen, um die vielen Listen, die die besten Filme aller Zeiten aufzählen - und auf de­nen fast immer und zurecht "Citizen Kane" und "Der Pate" auftauchen -, um die lustigsten deutschen Filmtitel, um die aufregendsten Kuss-Sze­nen der Filmge­schichte und nicht zuletzt um tierische Hel­den, ohne die das Kino wirklich är­mer wäre.

Deswegen gibt es ja nicht nur die Oscars – deren Zahl sich verdoppelt hat seit der ersten Oscar-Verleihung 1929: Damals waren es 12, heute sind es 24 Kate­go­rien -, sondern in Cannes zum Beispiel die "Palm Dog Awards". 2016 ging der Preis – leider post­hum – an die englische Bulldogge Nellie, die hinreißend in Jim Jarmuschs Film "Paterson" eine jeden Au­genblick überzeugende Hauptrolle spielte.

Amüsant

Eine amüsantes Buch voller Listen und Anekdoten, interessanter Informationen - und ganz und gar überflüssiger Mitteilungen, die man trotzdem gerne liest: Welche Schauspielerpaare sind wie lange verheiratet gewesen, wel­che Schauspieler haben Hitler gespielt. Wo werden die meisten Filme ge­dreht, wo wird am häufigsten ins Kino gegangen: Indien bleibt jedenfalls Produktionsweltmeister, und das Land mit den häufigsten Kinobesuchen pro Kopf ist Irland. Deutschland folgt erst auf Platz 14, nach Schweden und vor Portugal. Daran ändern auch die aus­verkauften Berlinale-Vorstellungen nichts.

Manuela Reichart, kulturradio

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