Anne Weber: Kirio; Montage: rbb
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Roman - Anne Weber: "Kirio"

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Er geht am liebsten auf den Händen, schlägt Räder und schaut die Menschen mit großen, staunenden Augen an: Kirio, der Held in Anne Webers gleichnamigem Roman.

Wo Kirio ist, geschieht Gutes, was auch immer das heißen mag. Mit "Kirio" hat es Anne Weber auf die Shortlist für den Leipziger Buchpreis geschafft, der am 23. März 2017 vergeben wird. Zu Recht.

Eine Art “Heiligenlegende” sei dieser Roman, so behauptet es der Verlag im Klappentext. Eine Geschichte also, die von Wundern erzählt, von einem, der stets das Gute tut und so die Welt verbessert: Kirio. Er ist ohne Arg und Absicht, ohne Vorurteil und Misstrauen. Die Verkörperung des Guten, wie Jesus, Buddha, Mohammed… Ein moderner Heiliger.

Dabei ist es ein leichter Text, der springt und flirrt wie seine Hauptfigur selbst. Es scheint in "Kirio" um einen Menschen aus Fleisch und Blut zu gehen, wofür ein paar Fakten sprechen: Er ist in Südfrankreich geboren, hat als junger Mann eine Geliebte, lebt dann eine Zeit lang in einer Höhle, zieht von dort weiter nach Paris und schließlich über die Normandie nach Hanau.

Doch zugleich ist seine Existenz so unwahrscheinlich, dass sie wie ein Märchen wirkt. Und so ruft die Erzählstimme, die selbst nicht weiß, wer sie ist, Zeugen auf den Plan, die von Kirio erzählen sollen. Wie durch das Facettenauge eines Insekts ergibt sich so ein Bild, das dennoch nicht zu fassen ist.

Mit “Kirio" ist Anne Weber ein philosophischer Text gelungen, der ununterbrochen Fragen stellt: darüber, woran wir glauben, was wir zu wissen meinen und was das Gute ist.

Es sind die großen Fragen – in einem schmalen Band, dessen Lektüre größtes Vergnügen bereitet.

Julia Riedhammer, kulturradio

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