Christian Kuno Kunert: Ringelbeats © Eulenspiegel-Verlag | Montage: rbb
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Roman - Christian Kuno Kunert: "Ringelbeats"

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Eine dichte poetische Geschichte, ein gut gebauter Abenteuer-Roman, der getragen wird von der ominösen Geschichte der geklauten Kubisch-Biografie - und ein vergnügliches Spiel mit dem sächsischen Dialekt.

Ein Roman von einem Rockmusiker? Christian Kuno Kunert ist eher bekannt als Keyboarder und Sänger der legendären ostdeutschen Band "Renftcombo" aus den siebziger Jahren. Man soll eben Rockmusiker nicht unterschätzen. Aber im Ernst, die Zeit der Mitwirkung von Christian Kuno Kunert in der Renft-Combo liegt nun schon ein paar Jährchen zurück, und zudem war Christian Kuno Kunert immer auch ein sehr text-affiner Musiker, besonders in der langen Zeit mit seinem Partner Gerulf Pannach, Seit dem Rauswurf der beiden aus der DDR 1977 hatten sie als Duo Pannach & Kunert - bis zum Tod von Pannach 1998 - eine sehr text-orientierte Singer-Songwriter-Musik gemacht, bei denen in den Texten literarisch Geschichten erzählt wurden.  Neue künstlerische Ausdrucksformen können eben hinzukommen, wie hier bei Christian Kuno Kunert.

Eine Künstlergeschichte

Mit der Geschichte der Renft-Combo hat das Geschehen im Buch allerdings nicht im Geringsten zu tun. Das mag auch daran liegen, dass es Bücher über die Renft-Combo schon genug gab. Christian Kuno Kunert erzählt hier aber auch eine Künstlergeschichte, und in der Gestaltung des Helden im Frühruhestand Jacobus Kubisch, Brettl-Künstler, mag, wer will, Nähen zum Autor finden.  Jacobus Kubisch, genannt Cobu, war in der DDR ein Mann mit Courage, ein Mann des offenen Wortes in Zeiten der Verkniffenheit, ein Clown, ein Conferencier, er hat eine schicke Biografie, sogar eine mit Stasiknast, und genießt bierselig Ruhestand und Garten. Aber plötzlich sieht er sich gezwungen, sich an Stationen seines Lebens zu erinnern: Jemand nennt sich "Fährtendieb" und geht mit Kubischs Biografie umher und gibt damit an.

Ein vergnügliches Spiel mit dem sächsischen Dialekt

Für Kobu stellt sich nun die Frage, warum einer mit der Biografie eines anderen unterwegs ist, ohne dass es ihm etwas bringt. Der Sinn der Hochstapelei bleibt für den Helden vorerst völlig im Dunkeln. Kubisch sieht sich einem Verwirrspiel ausgesetzt, in dem immer wieder Episoden aus seiner Biografie auftauchen, ohne dass der Held wüsste, in welchem Zusammenhang alles steht. Erst am Ende des Romans verstehen er und die Leser die Kette von Ereignissen und ihre Verknüpfungen, die in Kubischs Kindheit beginnen und mit Jugendfreunden, auch mit einem früheren Kumpel namens Beri zu tun haben.

Das Buch ist auch ein vergnügliches Spiel mit dem sächsischen Dialekt, in dem ja Vokale und Konsonanten weich werden, z.B. weiß man bei diesem Dialekt nie, ob die "Bude" gefüllt ist oder die "Pute", und so ähnlich verhält es sich auch mit dem Titel. Den Kreistanz‚ Ringelpietz mit Anfassen' spricht man im Sächsischen eher als "Ringel – Beats" aus, wie‚ Beat-Musik‘. Und es geht im Buch ja nicht um die Renft-Combo, aber in seiner Jugend hatte Kubisch mit seinem Kumpel Beri eine Band, die hieß eben "Ringel-Beats" und spielt bei den Rückblenden des Kubisch eine Rolle.

Der Verlag schreibt, "Ringelbeats" sei ein unernstes Drama, und das trifft es ganz gut. Es ist eine gut gebaute abenteuerliche Geschichte, also ein Abenteuer-Roman, der getragen wird von dieser ominösen Geschichte der geklauten Kubisch-Biografie, es ist aber auch ein schelmenhafter Geheimdienstthriller, auch mit Stasi, die aber nicht so heißt.

Eine dichte poetische Geschichte

In den Rückblenden auf Kubischs Leipziger Kindheit geht es auch um einen geheimnisvollen Entblößer und Kauz, Leuchte mit Namen. Leuchte, der nahezu fürstlich mit den Ratten in den Katakomben unter den Bahndämmen am Leipziger Hauptbahnhof  lebt, wo die Nazis in den letzten Kriegstagen das berühmte Herrenzimmer alias Bernsteinzimmer versteckten, zeigt Kubisch und seinem Freund Beri diese Schätze unter den Eisenbahngleisen.  Poetisch-geheimnisvoll leuchtet sozusagen diese Episode im Buch. Alles in allem eine dichte poetische Geschichte mit viel sächsischem Selbstbewusstsein.

Salli Sallmann, kulturradio

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