Primo Levi: So war Auschwitz © Hanser | Montage: rbb
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Sachbuch - Primo Levi: "So war Auschwitz"

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Zeugnisse von Primo Levi über die Zeit in Auschwitz III-Monowitz. Viele der Fakten in diesen Berichten mögen bekannt sein. In der vertrauten Sprache des Literaten verschlägt es einem den Atem.

Vor dreißig Jahren starb Primo Levi im Alter von 68 Jahren in seinem Haus in Turin, nach einem Sturz im Treppenhaus. Ob es ein Unfall war oder Selbstmord, konnte nie geklärt werden. Die These vom Selbstmord schien vielen plausibel: Da sei ein Überlebender von seinen Erfahrungen in Auschwitz eingeholt worden.

Andere widersprachen vehement: Primo Levi, der mit großer Klarheit und auf vielerlei Weise Zeugnis gegeben hat von der Wirklichkeit der Konzentrationslager, habe noch viel vorgehabt und sei keineswegs am Ende seines Weges als Literat und Aufklärer gewesen. Welche Version man nun für die zutreffende hält, ist insofern von einer gewissen Wichtigkeit, als der Blick auf sein Werk dadurch beeinflusst wird.

Nun ist soeben ein Buch mit Zeugnissen von Primo Levi – darunter auch einige von seinem Freund Leonardo de Benedetti -  über die Zeit in Auschwitz III-Monowitz erschienen.

Es beginnt mit dem Bericht des Arztes Benedetti und seines Assistenten Levi über Krankheiten und deren Behandlung bzw. Nicht-Behandlung im Lager Monowitz, den die beiden für die russische Kommandantur in Kattowitz erstellten. Dann folgen, in chronologischer Reihenfolge, Berichte, Zeugenaussagen und Vorträge. Den ersten davon verfasste Primo Levi gleich nach seiner Rückkehr 1945 in Turin und umfasst vor allem Namen von Mithäftlingen und die wenigen Fakten, die er über sie und ihren Verbleib wusste.

Im Zusammenhang mit den Prozessen gegen Eichmann, gegen den Auschwitz-Kommandanten Höß und den SS-Offizier Bosshammer, der die Deportation der italienischen Juden nach Auschwitz organisierte, legte Levi seine Aussagen schriftlich nieder. Und auch sie sind hier nachzulesen.

Von den 650 Menschen, die zusammen mit Levi nach Auschwitz gebracht wurden überlebten 14.

Viele der Fakten in diesen Berichten mögen bekannt sein. Doch sie hier zu finden, dargelegt in der vertrauten Sprache des Literaten Primo Levi – das verschlägt einem den Atem. Er hat in seinen Büchern von Auschwitz erzählt, vor allem in "Ist das ein Mensch?" von 1947 und in seinem letzten, "Die Untergegangenen und die Geretteten", das kurz vor seinem Tod erschien; hier findet man nun die Dokumente dazu: Fakten und Analysen. Analysiert hat Primo Levi, der ja von Beruf Chemiker war, nicht nur die Funktionsweise des Systems KZ sondern auch das Vernichtungsgift Zyklon B.

Es enthielt außer Blausäure auch ätzendes Reizgas als Warnstoff, damit man merkte, wenn ein Behälter undicht war. Der Tod in der Gaskammer war also, schreibt Levi, schmerzhaft und qualvoll. Zwei Worte, gestützt auf Sachkenntnis, und erfüllt von einer Empathie, die am Ende zu stark gewesen sein mag für einen Menschen.

Katharina Döbler, kulturradio

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