F. Scott Fitzgerald: "Für dich würde ich sterben"; Montage: rbb
Bild: Hoffmann und Campe Download (mp3, 4 MB)

Erzählungen - F. Scott Fitzgerald: "Für dich würde ich sterben"

Bewertung:

Bislang unveröffentlichte Geschichten von F. Scott Fitzgerald, die der große amerikanische Autor einst erfolglos Zeitschriften angeboten hatte: Keine Sensation, kein Buch für den Fitzgerald-Lektüre-Einstieg, aber ein Muss für alle Fitz­geraldisten.

F.Scott Fitzgerald hat Zeit seines Lebens neben den großen Romanen Storys geschrieben, die er an Zeit­­schriften verkaufte. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere für viel Geld, später für sehr viel weniger – und viele wurden in den 1930er Jahren auch abgelehnt. Der Star des Jazz-Age war nicht mehr in Mo­de.

Li­terarische Wieder­gutma­chung

14 Erzählungen, drei Filmexposés, eine Fragment gebliebene Geschichte – jetzt zum ersten Mal veröffent­licht, 77 Jahre nach seinem Tod. Es handelt sich – laut Verlagsankündigung – um eine Art li­terarische Wieder­gutma­chung und soll das unbezweifelbare Genie dieses Schrift­­stellers zeigen.

Ganz so großartig sind diese Texte allerdings leider nicht, bei der einen und der anderen Story versteht man sogar die Ablehnung, weil der Autor sich nicht recht entscheidet zwischen Erzählung und Dreh­buch. Einerseits. Andererseits findet man auch hier glanzvolle Sätze und Beschreibungen, melan­cho­lisch heitere Geschichten wie die eines junge Mädchens, das in New York ein wertvolles Chinchilla-Cape im Taxi findet oder die eines zur Trennung entschlossenen Ehepaares, das am Ende doch beiein­ander bleibt.

Fundgrube

Dieser Band ist vor allem eine Fundgrube für Fitz­gerald-Anhängerinnen und Anhänger. In den kennt­nisreichen Anmerkungen erfährt man viele Details über Fitzgeralds Le­ben und seine literarischen Mo­tive. Wenn etwa rotblonde Zwillinge auftauchen, dann ist das eine Referenz an Mar­gret Mitchels Ro­man "Vom Winde verweht".

Es treten viele reizende junge Frauen auf, die niemand schil­dern konnte wie dieser Autor. Und die immer auch eine Hommage an seine Frau Zelda waren. Die Ehe mit seiner psychisch kranken Frau, deren kostspielige Aufenthalte in Sanatorien: Die Wirklichkeit bot Fitzgerald genügend Stoff. Und viele Motive dieser Ge­schichten kommen einem bekannt vor, weil sie an anderer Stelle in seinem Werk ähnlich zu lesen sind.

Also: Keine Sensation, kein Buch für den Fitzgerald-Lektüre-Einstieg, aber ein Muss für alle Fitz­geraldisten, für alle begeisterten Leser und Leserinnen die­ses größten und melancholischsten ameri­ka­ni­schen Autors des 20. Jahrhunderts.

Manuela Reichart, kulturradio

Weitere Rezensionen