Herbert Blomstedt: Mission Musik; Montage: rbb
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Biografie - Herbert Blomstedt: "Mission Musik. Gespräche mit Julia Spinola"

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Wenn jemand über 60 Jahre künstlerisch wirkt und Chefpositionen in Ost- und West-Deutschland, Norwegen, Dänemark und den USA innehatte, dann gibt es viel Stoff für eine Biografie und viele Fragen.

Herbert Blomstedt hat es Julia Spinola überlassen, diese Fragen an sein Leben zu stellen und den Stoff zu sortieren.

Lebendig wird diese Biografie in Gesprächsform dadurch, dass Julia Spinola den Dirigenten in ganz verschiedenen, jeweils typischen Situationen begleitet hat: auf Konzerttournee, zu Hause, bei Ehrungen, in der Bibliothek. Die Gespräche bekommen so einen Kontext und Bezugspunkte zum Beispiel zum Taktstock oder zur Familie.

Erstaunlich offen spricht Herbert Blomstedt über die Schwächen von Kollegen wie Kurt Masur, Leonard  Bernstein und Wilhelm Furtwängler. Seine Selbstdarstellung ist dagegen eher abgewogen und vom Wunsch nach einer Balance zwischen Intellekt und Gefühl geprägt.

Musik als Mission

Sowohl sein Aufwachsen in Schweden in der Familie eines Predigers in Adventistengemeinden als auch seine Zeit als Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle in der DDR bilden Schwerpunkte der Gespräche. In vielen Details erklärt sich, warum Herbert Blomstedt die Musik als eine Mission begreift. Da gehören auch etwas Theologie und viel Überzeugungskraft dazu.

Kleine Überraschungen

In den Gesprächen verbergen sich auch einige kleine Überraschungen. So erklärt Blomstedt Arturo Toscanini und seine straffen Tempi zum Vorbild. Auch sein Bekenntnis zu Tschaikowsky und sein Outing als "verkappter Romantiker" waren nicht zu erwarten. Sein eigenes Dirigieren stellt er als sehr Werk- und Team-orientiert dar. Stets betont er die Rolle des Orchesters und seiner inneren Vorstellung, die wichtiger sei als die äußeren Bewegungen beim Taktschlagen. So bescheiden kann man eigentlich gar keine Weltkarriere machen.

Einblick in den Klassikbetrieb

Als Leser bekommt man eine Vorstellung von der schwierigen Rolle des Dirigenten und einen Einblick in den Klassikbetrieb, der auch Schattenseiten hat. Details wie die Aufstellung des Orchesters und Tempi bei Beethoven können die musikalische Wahrnehmung schärfen. Und Blomstedt weckt nicht zuletzt die Neugier auf den schwedischen Komponisten Wilhelm Stenhammar.

Dirk Hühner, kulturradio

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