Silke Leopold: Claudio Monteverdi; Montage: rbb

Biografie - Silke Leopold: Claudio Monteverdi

Bewertung:

Trotz seiner unbestrittenen wissenschaftlichen Qualität liest sich dieses Buch nicht wie die übliche trockene Fachliteratur, sondern wie ein guter Roman.

Silke Leopold, die emeritierte Musikwissenschafts-Professorin aus Heidelberg, beschäftigt sich seit vielen Jahrzehnten sehr intensiv mit der italienischen Musik des Frühbarocks. Ihre Studien über "Claudio Monteverdi und seine Zeit" (1982, 2. Auflage 1993) und über die "Oper im 17. Jahrhundert" (2004), aber auch viele weitere Artikel und Tagungsberichte weisen sie als hervorragende Kennerin dieser musikgeschichtlich so ereignisreichen Epoche aus.

Der Mensch Monteverdi

Anlässlich des 450. Geburtstags von Claudio Monteverdi hat Silke Leopold nun eine Biografie des Komponisten vorgelegt, die an Informationsfülle, Faktenreichtum und guter Lesbarkeit kaum zu übertreffen ist. Gegliedert ist das Buch in drei große Kapitel, die sich auf die drei Lebensstationen Monteverdis beziehen: seine Geburtsstadt Cremona, dann die Residenzstadt Mantua, in der er als Kapellmeister der Gonzaga wirkte und schließlich Venedig, wo Monteverdi drei Jahrzehnte lang die Kirchenmusik an der Basilica San Marco leitete.

Diese drei Grundkapitel wiederum sind nochmals in zahlreiche kleinere Abschnitte untergeteilt, für die Silke Leopold jeweils treffende fremdsprachige (meist italienische) Titel gewählt hat, deren Übersetzung und Erläuterung unmittelbar erfolgt.

Unterlegt mit vielen Quellenzitaten aus Briefen, Vorreden und sonstigen Dokumenten (jeweils in deutscher Übersetzung) erzählt Silke Leopold detailgenau den Lebenslauf Monteverdis: Sie schildert seine musikalischen Aufgaben in den drei Städten, dokumentiert seine Korrespondenzen, beschreibt sein musikalisches Denken und blickt nicht zuletzt auch auf den Menschen Monteverdi und seine unmittelbaren Wegbegleiter.

Ausführliche Abschnitte widmen sich seinen wichtigsten Werken, die trotz der fehlenden Notenbeispiele sehr anschaulich charakterisiert werden.

Alles Wesentliche

Darüber hinaus erfährt man in dem Buch aber auch sehr viel über den politischen, sozialen und musikalischen Kontext der Monteverdi-Zeit. So finden sich aufschlussreiche Bemerkungen über den Regierungsstil des Gonzaga-Herzogs Vincenzo, über die Florentiner Camerata, über den grausamen Erbfolgekrieg in Mantua oder über das Spektakel venezianischer Opernaufführungen.

Und das Beste: Trotz seiner unbestrittenen wissenschaftlichen Qualität liest sich dieses Buch nicht wie die übliche trockene Fachliteratur, sondern wie ein guter Roman. Ohne hinderliche Fußnoten und unter völligem Verzicht auf gestelzte (pseudo-)wissenschaftliche Sprache erfährt man alles Wesentliche über Monteverdi auf dem neuesten Stand der Forschung.

Bernhard Schrammek, kulturradio

Weitere Rezensionen

"Die Apokalypse"; Montage: rbb

Zum Wiederlesen empfohlen - "Die Apokalypse"

Wer in den Untergrund des Glaubens steigen und wissen will, warum Gewalt-Fantasien und Todes-Visionen auch bei den Christen eine Rolle spielen, kann das hier auf schaurig-schöne Weise nachempfinden.

Bewertung: