Dorothy Parker: Denn mein Herz ist frisch gebrochen; Montage: rbb
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Gedichte - Dorothy Parker: "Denn mein Herz ist frisch gebrochen"

Bewertung:

Piratin und Dame: Vor fünfzig Jahren starb die lebende Legende Dorothy Parker in New York, der Stadt ihrer einstigen Triumphe.

Die Urne mit ihrer Asche wurde von niemandem beansprucht und stand schließlich bis 1988 im Büro ihres Anwalts. Erst dann wurde sie in einem Memorial in Baltimore bestattet.

Hintergründe dieser bizarren Situation sind ihre politischen Sympathien und ihre Freundschaft mit der Dramatikerin Lilian Hellman. Hellman hielt sich für die Erbin Dorothy Parkers, aber die hatte alle Rechte an ihrem Werk der Bürgerrechtsorganisation NAACP vermacht. Weshalb die gute Freundin sich für Werk und Asche nicht mehr interessierte.

Eigentlich unübersetzbar

Man kann sich vorstellen, was für ein Feuerwerk an düsterem Witz, Spott und Selbstironie Dorothy Parker abgebrannt hätte, hätte sie diese Geschichte erzählen können. Vielleicht wäre auch ein Gedicht daraus geworden.

Denn Dorothy Parker, die vielseitige Autorin, die für ihre Bonmots, scharfzüngigen Kritiken und spritzigen Dialoge bekannt war, schrieb auch Lyrik. Erstmals sind nun die Gedichte aus drei Jahrzehnten auch auf Deutsch erschienen – allerdings in einer zweisprachigen Ausgabe, und das ist auch gut so. Denn ihre formal strengen, ständig zwischen Pathos und Ironie wechselnden Gedichte sind eigentlich unübersetzbar.

Wunderbar selbstironisch

Ulrich Blumenbach hat sich große Mühe geben, das Unmögliche zu tun, und hat eine eigene, anständige Version geliefert. Aber die klingt nach allem Möglichen – nach Dorothy Parker aber nur sehr entfernt.

Ich ginge gern auf Kaperfahrt
als grölender Pirat (...)
Stattdessen reim ich klein und fein
nach kleiner Damen Art.

Dorothy Parker

Ihre herzzerreißenden Liebesgedichte enden in zahllosen Versionen von: Er hat mir das Herz gebrochen, ist mir doch egal! Mal mehr, mal weniger schnoddrig, melancholisch, verzweifelt, tapfer oder cool klingt das und spiegelt die Biografie dieser so begabten, ungewöhnlichen und selbstzerstörerischen Frau. Wunderbar an diesem lyrischen Werk ist die Selbstironie, mit der sie ihre Position in der (Männer-)welt reflektiert.

Als grölende Piratin kann man sich Dorothy Parker ganz ausgezeichnet vorstellen. Dass sie dabei aber ein zartes und verletzliches Wesen war, wenn auch keine kleine Dame, kann man in ihren Gedichten überall bemerken.

Katharina Döbler, kulturradio

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