Oskar Maria Graf: Minutengeschichten; Montage: rbb
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Belletristik - Oskar Maria Graf: "Minutengeschichten"

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Bayerischer Anarchist: Vor fünfzig Jahren starb Oskar Maria Graf in seinem New Yorker Exil.

Der Bäckersohn aus Berg am Sternberger See hatte sich nicht zur Rückkehr in eins der Nachkriegsdeutschländer entschließen können. Das führte dazu, dass der Schriftsteller, der als einer der ersten und klarsten gegen die Nationalsozialisten angeschrieben und –geredet hatte, hierzulande nahezu vergessen wurde. Dabei gehören seine skurrilen, schrecklichen, komischen und klarsichtigen Romane und Erzählungen zum Besten, das in der Zeit zwischen den Weltkriegen erschien.

Das Wesen des Menschen

Nun sind zu seinem Gedenken die kurzen "Minutengeschichten" in einem Band erschienen. Sie bieten Gelegenheit, diesen sehr bayerischen Anarchisten und Pazifisten häppchenweise wieder zu entdecken. Man wird darin die Stationen von Grafs Leben wiederfinden: die wilden Jahre in München, den Ersten Weltkrieg, in dem er Soldat und schließlich Befehlsverweigerer war, die kurze Revolution, an der er sich aktiv beteiligte, sein Widerstand gegen die Nazis und das Exil.

Und in alledem taucht immer wieder das ländliche Oberbayern auf, das er als das Gegenteil eines Idylls so illusionslos wie genau schilderte. Diese Dörfer aber könnten, trotz des üppig vorhanden Lokalkolorits und der recht ortstypischen Dialoge, eigentlich überall auf der Welt liegen. Denn Grafs Neugier und sein literarischer Gestaltungswille bezog sich stets auf das Wesen des Menschen – auf seine Destruktivität und seine Sehnsucht nach einem besseren Leben.

Katharina Döbler, kulturradio

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