Paul MacAlindin: "Bis der letzte Ton verklingt - Die Geschichte des irakischen Jugendorchesters"
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Sachbuch - Paul MacAlindin: "Bis der letzte Ton verklingt - Die Geschichte des irakischen Jugendorchesters"

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Ein Jugendorchester im Irak zu gründen ist so ziemlich die aussichtslose Sache, die man unternehmen kann. Der schottische Dirigent Paul MacAlindin hat es getan, ist daran gewachsen und gescheitert.

Die Initiative geht von einer 17-jährigen Bagdader Pianistin aus. 2008 sucht sie über eine britische Fernsehsendung Unterstützer für die Gründung eines Jugendorchesters. Paul MacAlindin lässt sich darauf ein und ändert sein ganzes Leben.

In seinem Buch berichtet er minutiös über jeden Schritt, wie Institutionen gewonnen, Musiker gesucht und Workshops und Konzerte organisiert wurden. Die Schwierigkeiten scheinen unüberwindbar: Es fehlt an Geld, an politischem Willen und an Bildungseinrichtungen sowohl im Westen als auch im Irak.

Aber die Aufgabe lohnt sich. Schließlich gibt es hunderte junge Musiker im Irak, die keine Chance auf geregelten Unterricht, gute Instrumente und Orchesterspiel haben. Eine ganze Generation von Musikern kann nur im Verborgenen üben und braucht dringend Anschluss an die Musikwelt. Nicht zuletzt kann die Musik auch als Mittel zur gegenseitigen Verständigung verfeindeter Volksgruppen und zur Emanzipation der jungen Frauen dienen.

Am Ende steht die erschöpfte Aufgabe

Drei Mal gelingt es den Organisatoren um Paul MacAlindin, das Orchester erst über Youtube-Vorspiele zusammenzustellen, dann in Arbeitsphasen zu trainieren und schließlich im Irak, aber auch in Bonn, Edinburgh und Aix en Provence auftreten zu lassen.

Aus dem Blickwinkel des Dirigenten erfahren wir viel von der verbindenden Kraft der Musik, aber auch von den verletzten und verletzenden Persönlichkeiten der jungen Musiker. Der Erfolg des Orchesters hängt dauerhaft am seidenen Faden.

Für den Dirigenten eine ständige Belastung, die er mit einem Burnout bezahlt. Ein gutes Ende hält die Geschichte nicht bereit. Als 2014 die Pläne scheitern, das Orchester in die USA zu bringen, gibt MacAlindin erschöpft und entnervt auf.

Unglückliche Liebesgeschichte zu einem beglückenden und belastenden Projekt

Ein guter Teil des Buchs besteht in der Rechtfertigung, warum sich der Dirigent auf das existenzielle Abenteuer einließ und warum er es am Ende nicht mehr aushielt. Dazu gehören auch sein Aufwachsen als Homosexueller in der Provinz und die Beziehung zu seiner psychisch kranken Mutter. So besteht das Buch auch aus einer unglücklichen Liebesgeschichte zu einem beglückenden und belastenden Projekt.

Viele Zitate aus Artikeln und Blogs lassen dagegen die Musiker zu Wort kommen, deren Leben das Orchester grundlegend zum Besseren verändert hat. Gerne hätte man vom Sieg der Hoffnung gelesen, aber die realistische Darstellung entlässt den Leser mit kaum verhohlener Bitterkeit.

Dirk Hühner, kulturradio

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