Simon Strauß: "Sieben Nächte"
Bild: Aufbau Verlag

Roman - Simon Strauß: "Sieben Nächte"

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“Das hier schreibe ich aus Angst” – was für ein erster Satz für einen Text! Da will man weiterlesen, das Ausmaß des ganzen Dramas kennenlernen. Simon Strauß ist mit seinem Debüt-Roman “Sieben Nächte” ein Funken sprühender, nein, explosiver Text gelungen – dessen Lärm am Ende doch verhallt, wie in einer Gummizelle.

Bevor er erwachsen ist, will er es wissen: Was sind die dunklen Seiten des Daseins? Sie zu kennen muss doch heißen, gelebt zu haben – und nicht nur funktioniert. Denn das ist es, was dem Ich-Erzähler Angst macht, "später nur auf graue, gerade Linien zurück zu schauen". Und so trifft er mit einem Fremden eine Verabredung: In sieben Nächten konfrontiert er sich mit einer jeweils anderen Todsünde.

Leises Nachdenken

Doch das ist gar nicht so einfach. Schließlich ist aus heutiger Sicht Völlerei kein Verbrechen und Neid schon längst keine Sünde mehr – menschliche Schwäche, vielleicht. Und so nimmt der Ich-Erzähler diese Sünden zum lärmenden Ausgangspunkt für einen Weg, der letztlich in einem viel leiseren Nachdenken mündet.

Wahres Erleben

Was der Ich-Erzähler sucht, ist das wahre Erleben. "Gefühl" ist für ihn ein Kampfbegriff, "Neue Sinnlichkeit" der Name, den er dieser vermeintlich neuen Strömung gibt. Kompromisse haben darin keinen Platz und auch langes Zögern nicht. Und so wird es unbehaglich, betet man das Mantra des Gefühls bis zu seinem Ende weiter. Doch auch das hat der Ich-Erzähler schon mitgedacht. Wer Angst hat, muss sich eben gegen alles absichern. Auch gegen Kritik.

Julia Riedhammer, kulturradio

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