Ursula K. Le Guin: Freie Geister; Montage: rbb
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Zum Wiederlesen empfohlen - Ursula K. Le Guin: "Freie Geister. Eine zwiespältige Utopie"

Bewertung:

Im Jahr 1974 erschien der Roman "The Dispossessed" von Ursula K. Le Guin – und wurde ein Weltbestseller.

Auf Deutsch erschien die in der Zukunft angesiedelte Geschichte einer anarchistischen Revolution und ihrer Folgen unter dem Titel "Der Planet der Habenichtse". In einer ausgezeichneten Neuübersetzung von Karen Nölle heißt das Buch nun "Freie Geister" – und erweist sich beim Wiederlesen als erstaunlich zeitgenössisch. Das betrifft nicht nur den Sprachgestus, sondern auch die Frage nach praktikablen Formen der Selbstverwaltung und Gegenentwürfen zu einer von Besitzdenken bestimmten Gesellschaft.

Herrschaftsfreie Gesellschaft

Anarres, der unwirtliche Mond des Planeten Urras, wurde vor 150 Jahren von aufständischen Anarchisten besiedelt. Der Kontakt zum Mutterplaneten besteht nur noch im Export von Rohstoffen und dem Import einiger weniger lebenswichtiger Produkte.

Mit den Jahrzehnten hat die herrschaftsfreie Gesellschaft auf Anarres, die weder Gefängnisse noch Privateigentum kennt, allerdings bürokratischen und ideologischen Rost angesetzt. Die gängigen Schimpfworte "Propertarier" oder "Egoisierer" werden auch auf Leute angewandt, die sich nicht anpassen. Leute wie den genialen Physiker Shevek, dem es vor allem um die Freiheit der Forschung geht. Er reist, geschmäht von seinen Landsleuten, nach Urras - nur um festzustellen, dass sein Wissen dort für machtpolitische und ökonomische Zwecke missbraucht werden soll.

Unterhaltsam und anspruchsvoll

Aus Sicht dieser hochintelligenten und naiven Figur beschreibt Le Guin – leicht satirisch überzeichnet – unsere kapitalistisch-hierarchische Welt. So reflektiert dieses Buch – mit den Mitteln der Science Fiction – über das Wesen von Herrschaft und die Werte von Gesellschaften. Und das auf höchst unterhaltsame und literarisch anspruchsvolle Weise.

Katharina Döbler, kulturradio

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