Antje Herzog: Lampe und sein Meister Immanuel Kant © Edition Büchergilde
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Graphic Novel - Antje Herzog: "Lampe und sein Meister Immanuel Kant"

Bewertung:

Antje Herzog entwickelt in Bildern unterschiedlicher Perspektiven – von Details über die Totale bis zur Draufsicht – mit Anleihen bei historischen Genrebildern eine Biografie des Alltags.

Die nicht anders als symbiotisch zu nennende Beziehung der beiden endete unglücklich: Der versoffene Ex-Soldat Lampe und der Philosoph Immanuel Kant teilten immerhin 40 Jahre ihren streng geregelten Alltag – bis Lampe wegen seiner dem Alkohol geschuldeten Entgleisungen 1802 entlassen wurde.

Die Illustratorin hat über das gemeinsame Leben der beiden ein wunderschönes Buch gezeichnet, in dem sie Zeugnisse von Zeitgenossen - wie unter anderen Heinrich Heine und Kants treuem Anhänger Wasianski – zitiert und neben Aussprüche und Erkenntnisse des Königsberger Meisterdenkers stellt.

Über Kants zahlreiche Schrullen, seine zwanghafte Pünktlichkeit und die spezielle Wicklung seiner Bettdecke, ist viel geschrieben und gelästert worden. Hier sieht man das alles nun in Bildern vor sich: schwarzweiße Zeichnungen mit Gelb als einziger Farbe teilkoloriert und nüchternem klarem Strich, der ein wenig an Stiche erinnert.

Schon der Anfang ist spektakulär

Ein Bild des Sternenhimmels an Kants Todestag, dazu sein berühmtes Zitat über den besternten Himmel über uns und das moralische Gesetz in uns. Ein einzelner Stern leuchtet heller und größer als alle anderen. Beim Weiterblättern wird er immer größer und schließlich zu einem Flämmchen, das eine Kerze entzündet, die von einem preußischen aussehenden Herrn durchs Dunkel getragen wird. Und zwar ans Bett eines Mannes mit Zipfelmütze. Eine Uhr zeigt kurz vor fünf. So beginnen die Tage von Lampe und Kant.

Liebevoll, komisch, respektvoll

Antje Herzog entwickelt in Bildern unterschiedlicher Perspektiven – von Details über die Totale bis zur Draufsicht – mit Anleihen bei historischen Genrebildern eine Biografie des Alltags: liebevoll, komisch und doch mit Respekt vor einer wahrhaft mythologischen Gestalt der Aufklärung.

Katharina Döbler, kulturradio

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