Katrin Seddig: Das Dorf © rowohlt Berlin
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Roman - Katrin Seddig: "Das Dorf"

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Das Leben auf dem Land stellt man sich als Städter gern idyllisch vor: Frische Luft, Natur, Ruhe, gutes Essen… Die gebürtige Brandenburgerin Katrin Seddig erzählt in ihrem neuem Roman "Das Dorf" vom Gegenteil: Der Hölle auf Erden. Und davon, wie man ihr entkommen kann.

Eines vorweg: Dieser Roman ist nichts für zarte Seelen. Denn hier geht es zur Sache - Missbrauch, Menschenhandel, Mord. Und doch ist “Das Dorf” kein Krimi, sondern eine Milieustudie, der Versuch so tief in die Figuren einzutauchen, dass ihr oft unmenschliches Handeln nachvollziehbar wird. Das tut weh. Das ist oft nicht angenehm. Aber es ist unglaublich gut geschrieben.

Denn Katrin Seddigs Sprache ist nicht analytisch, sie ist sinnlich. In der glühenden Hitze des Hochsommers kommen die Verbrechen, die Abgründe der Dorfbewohner hervor, wie der Schweiß, der unablässig aus den Poren dringt. Schwache werden getreten, fiese Gewinnertypen scheinen ungehindert von ihrer Ausbeutung profitieren zu dürfen. Sie nehmen sich was sie wollen: Geld, Land, Sex, sogar einen Leibeigenen.

Ein hervorragender Roman

Katrin Seddig vermag es Körper, Landschaften und Gerüche so zu beschreiben, dass es unter die Haut geht. Leider sind es vor allem die Frauenkörper, die sie in all ihrer Fleischlichkeit erscheinen lässt. Das ist effektvoll, doch hätte man sich das auch für die Körper der Männer gewünscht. Denn sie treten vor allem durch ihr Handeln hervor, durch Verbrechen, Stärke und manchmal auch Versagen. Ein Wermutstropfen in diesem ansonsten hervorragenden Roman.

Julia Riedhammer, kulturradio

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