Rolf Schneider, Therese Schneider: "Literatouren durch Brandenburg. Ausflüge auf den Spuren von Dichtern und Schriftstellern"
Bild: Be.bra Verlag

Sachbuch - Rolf Schneider, Therese Schneider: "Literatouren durch Brandenburg. Ausflüge auf den Spuren von Dichtern und Schriftstellern"

Bewertung:

In diesem Buch fügen sich touristische Tipps und literarische Bezüge aufs Schönste zusammen.

Rolf Schneider hat das Buch zusammen mit seiner Tochter Therese gemacht, die als Fotografin und Typografin beteiligt war und beide haben sich die Lebens- und Wirkungsorte von bedeutenden Dichtern und Schriftstellern der Vergangenheit vorgenommen, Fontane und Brecht kommen vor, ebenso Tucholsky und Gerhart Hauptmann und einige andere. Insgesamt sind es 18 Ausflüge geworden. Und natürlich vermischt sich da auch manchmal, das solch ein bestimmter Ort nicht nur der Sehnsuchts- und Wohnort des Autors war, sondern auch als Handlungsort in Romane oder Gedichte Einzug gehalten hat.

Natürlich sind die eben genannten Namen schnell mit Neuruppin und Buckow bei Fontane und Brecht oder auch Rheinsberg im Falle von Tucholsky zu identifizieren. Aber es gibt auch unbekanntere Ort. Dazu gehört z.B. die Tour nach Bad Freienwalde wo der ehemalige Politiker, Industrielle und eben auch Schriftsteller Walter Rathenau das ehemalige kleine klassizistische Schlösschen erwarb und zu seinem Sommersitz ausbauen ließ. Oder auch nach Lübben, wo der bekannte deutsche Barock und Kirchenliederdichter Paul Gerhardt als Pfarrer schließlich eine Stelle bekam und dort 1667 auch starb.

Touristische Tipps und Anregungen

Der Untertitel des Buches verspricht ja Ausflüge auf den Spuren von Dichtern und Schriftstellern, da kann man neben den literarischen Einordnungen auch eine Menge von touristischen Tipps und Anregungen bekommen und das macht auch den Reiz des Buches aus, dass man zunächst erfährt, wie man hinkommt per Bahn oder Auto, ggf. auch per Rad und welche Orte, Häuser zu besichtigen sind. Oft ist es das ehemalige Wohnhaus, das als Gedenkstätte gestaltet wurde, die man besichtigen kann und in der vielleicht auch Veranstaltungen stattfinden.

Also ein auch nicht so bekanntes Beispiel ist das Huchelhaus in Wilhelmshorst bei Potsdam. Es gibt jeweils einen knappen Text über die Geschichte des Hauses. In dem Fall erfährt man, dass nach Peter Huchels Weggang aus der DDR 1971 der Lyriker Erich Arendt in das Haus zog. Und nach der Wiedervereinigung vor allem Huchels Witwe dafür sorgte, das die Umwandlung zu einem Gedenkort und Literaturort möglich wurde und entsprechend Geld beschaffte werden konnte. Und natürlich auch welche Veranstaltungen und Lesungen dort stattfinden. (Übrigens nebenher: am 3.September feiert das Huchel-Haus bereits den 20. Geburtstag als Ort für Lesungen und Gespräche und da ist im Gespräch und liest die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, und ebenso liest der Leiter des Peter Huchel Hauses, der Schriftsteller Lutz Seiler Gedichte von Peter Huchel).

Literarische Bezüge

Im Buch von Rolf und Therese Schneider kann das logischerweise keine Rolle spielen, aber zu jedem literarischen Ausflugsort gibt es einen ausführlicheren Text über die Beziehung des jeweiligen Autors zu dieser Gegend, diesem speziellen Ort und wie sich das in seinem Werk spiegelt. Im Falle Peter Huchels sind natürlich zwei Gedichte teilabgedruckt. So fügen sich also tatsächlich touristische und literarische Dinge aufs Schönste zusammen.

Obwohl es sich ja um ein relativ kleines Buch handelt, broschiert aber mit vielen Fotos, sämtlich von Therese Schneider. können diese Fotos durchaus auch literarische Atmosphäre einfangen.

Strittmatters "Laden"

Am Beginn jedes Kapitels steht ein größeres zweiseitiges Foto. Mal ist es einen Installation aus Gesangsbüchern bei Paul Gerhardt, mal Brechts Ausblick aus dem Garten auf den Schermützelsee. Aber das schönste für mich ist der Blick in den "Laden" von Erwin Strittmatter. Da führt der Ausflug eben nicht auf den Schulzenhof, wo beide Strittmatters lebten, sondern nach Bohsdorf in die Lausitz. Dort führten die Eltern von Strittmatter ja den dörflichen Bäcker und Kolonialwarenladen, dort wuchs Strittmatter auf und diesen Laden machte er ja mit seiner Trilogie sehr bekannt. Und allein das Titelbild hier verströmt sehr viel authentische Atmosphäre und zugleich fühlt man sich literarisch nah dran.

Danuta Görnandt, kulturradio

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