Jurek Becker: Jakob der Lügner © Suhrkamp
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Roman - Jurek Becker: "Jakob der Lügner"

Ursprünglich war "Jakob, der Lügner" ein Drehbuch, das Jurek Becker der DEFA angeboten hat. Nach der Ablehnung arbeitete Becker den Stoff zum Roman um und wurde nach seinem Erscheinen 1969 weltweit als Schriftsteller gefeiert.

Vor beinahe 50 Jahren erschien der Erstlingsroman des Defa-Autors Jurek Becker. Sein Drehbuch zu diesem Stoff war abgelehnt worden, also machte er einen Roman daraus. Der dann  ein Riesenerfolg und später zweimal verfilmt wurde. "Jakob der Lügner", ist eine Geschichte aus dem Ghetto Anfang der 1940er Jahre. Der Jude Jakob Heym hört zufällig bei den deutschen Bewachern ein paar Sätze aus dem Radio, denen er entnehmen kann, dass die Rote Armee, nicht mehr als ein paar hundert Kilometer entfernt kämpft.

Von da an erfindet Jakob immer wieder neue gute Nachrichten für die Ghettobewohner, erzählt ihnen, wie die Befreier immer näher und näher kommen. Alle glauben ihm und sind überzeugt, dass er selbst ein Radio besitzt – was bei Todesstrafe verboten ist.

Realistisch, poetisch und zartfühlend

Jurek Becker, geboren am 30. September 1937, verbrachte seine Kindheit im Ghetto von Lodz und überlebte die  Konzentrationslager. Er wusste also genau, wovon er schrieb.  Und er tat es so unsentimental und realistisch, poetisch und zartfühlend, dass sein Roman keinen Leser kalt lassen kann. Es ist ein Buch voller Trauer und voller Liebe zu seinen Figuren  - von denen am Ende nur der Ich-Erzähler übrig bleibt.

Später hat Jurek Becker noch viele Romane und Drehbücher geschrieben, nach seiner Übersiedlung in den Westen hatte er auch als Autor von Fernsehserien einigen Erfolg. Aber in Erinnerung behalten wird man ihn als den, der uns Jakob den Lügner geschenkt hat.

Katharina Döbler, kulturradio

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