Martin Geck: "Beethoven"; Montage: rbb
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Biografie - Martin Geck: "Beethoven - Der Schöpfer und sein Universum"

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Höher als mit "Schöpfer" und "Universum" kann man wohl nicht ansetzen. Martin Geck will Beethoven jedoch nicht verklären. Ihm geht es um einen neuen Blick auf das Werk, der "von Liebe und Genauigkeit" gelenkt ist. Er leitet durch zwölf "themenzentrierte Expeditionen" und beleuchtet Beethoven aus ganz unterschiedlichen Richtungen.

Das Werk Beethovens sei durchaus mit einem Universum vergleichbar, postuliert Martin Geck in seiner Einleitung, denn es hätte unendlich viel in sich aufgenommen und hätte eine globale Ausstrahlung. Mit diesem Bild stellt Geck das Werk als Gravitationszentrum in den Mittelpunkt.

Von einer zusammenhängenden Erzählung verabschiedet er sich schnell und bietet zwölf Oberbegriffe an, unter die er jeweils drei prägnante Persönlichkeiten zusammenbindet. Die Oberbegriffe gehen von "Titanismus" über "Natur" und "Phantastik" bis hin zur "Virtuosität". Unter dem Begriff "Natur" sind zum Beispiel Jean-Jacques Rousseau, Leonard Bernstein und Tiepolo in Bezug auf Beethoven dargestellt.

Überraschende Funde und Vergleiche

In relativ kurzen Kapiteln knüpft Martin Geck sein Beziehungsnetz über Philosophie, Kunst, Literatur, Musik und Geschichte hinweg. Dabei geht es ihm nie um die direkte Widerspiegelung, sondern um tiefergehende Einflüsse und Wirkungen. So dient Rousseau nicht als direktes Vorbild von Beethovens Neunter, seine Naturphilosophie lässt sich dennoch in der Natur des Werkes wiederfinden.

Immer wieder gelingen so überraschende Funde und Vergleiche, die direkt in die Kompositionen hineinführen. Geck kämpft sowohl gegen simplifizierende biografische Deutungen und ideologische Vereinnahmungen als auch gegen die Ansicht, Beethovens Musik sei allein formal zu erklären. So bekommen unter anderem Adorno, Bernstein und Carl Dahlhaus ihr Fett ab.

Etwas einseitig

Bei aller Vielfalt der Herangehensweisen kreist Geck stark um die späten Streichquartette und Klaviersonaten, sowie um die Dritte, Fünfte und Neunte Sinfonie. An diesen Werken hängt sein Herz, die Konzentration darauf macht das Buch etwas einseitig. Außerdem erschwert die kleinteilige Gliederung das durchgängigen Lesen. Dessen ist sich Martin Geck auch bewusst und fordert direkt zum Rosinenpicken auf. Und Beethoven-Rosinen bietet er mehr als genug.

Dirk Hühner, kulturradio

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