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Bühne und Konzert

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Bühne und Konzert, 16.11.2009

Bürgerhaus Bad Liebenwerda: 4. Internationaler Gebrüder-Graun-Preis

Johann Sebastian Bach hat ihn geschätzt, als Hofkapellmeister Friedrichs des Großen machte er in Berlin Karriere und als er vor genau 250 Jahren starb, da wollten ihn seine Anhänger auf eine Stufe neben Händel gestellt wissen. Die Rede ist von Carl Heinrich Graun, geboren in dem kleinen Städtchen Wahrenbrück im Elbe-Elster-Kreis.

Anders als bei Händel
muss man nach Aufführungen von Werken Grauns selbst in seinem Jubiläumsjahr suchen – aber das könnte sich in Zukunft ändern. In Bad Liebenwerda bei Wahrenbrück arbeitet man jedenfalls gründlich an der Popularisierung von Graun und seinem Bruder Johann Gottlieb, der als Komponist und Konzertmeister ebenfalls am Berliner Hofe zu Ehren gekommenen ist. Mittel zu diesem höheren Zweck ist der Internationale Gebrüder-Graun-Wettbewerb, der von der Sparkassenstiftung und dem Landkreis Elbe-Elster veranstaltet wird. Teilnahmebedingung: Es dürfen nur Werke von Carl Heinrich Graun und seinem Bruder vorgetragen werden.

Die Jury, welche dieses Jahr elf Nachwuchssolisten und drei junge Ensembles an die Schwarze Elster locken konnte, ist namhaft besetzt: Unter den Mitgliedern sind Hermann Max, der mit der Großen Passion gerade ein Hauptwerk von Graun erstmals eingespielt hat, der Gambist Niklas Trüstedt sowie der Musikwissenschaftler Christoph Henzel, der als Verfasser des Graun-Werkverzeichnisses buchstäblich jedes einzelne Werk in der Hand gehabt hat, das auf dem Wettbewerb gespielt wurde.

Schon durch die Besetzung der Jury wird klar: dieser Wettbewerb meint es ernst mit der Musik der Graun-Brüder. Den jungen Musikern wird dagegen beträchtlicher Mut abverlangt: Zum einen ist die Musik des Geigenvirtuosen Johann Gottlieb und des Lindenopern-Chefs Carl Heinrich technisch oft sehr anspruchsvoll. Vor allem aber verlangt sie von den Interpreten, sich auf den hoch empfindsamen Stil der bis vor kurzer Zeit reichlich vergessenen Brüder einzulassen. Allein an dem Umgang mit den Seufzerfiguren, mit denen die Grauns in geradezu exzessiver Weise den Ausdruck individueller, privater Empfindungen studierten, demonstrieren die Wettbewerbsteilnehmer trotzdem, dass mehr als ein vielversprechender Weg zu dieser Musik führt.

Für diese Vielfalt
der Zugänge stehen auch die drei Preisträger: So gelingt es der Oboistin Christina Beindorf, die feinen Nuancen des c-Moll-Konzerts von Johann Gottlieb Graun mit wunderbar differenzierter Tongebung auf einem modernen Instrument auszudrücken. Die ebenfalls mit einem Preis ausgezeichnete, beglückend intonationsreine Sopranistin Verena Gropper scheint sich der Musik des Bruders Carl Heinrich vom Vorbild Händels zu nähern. Dennoch stülpt sie der ziselierteren Musik Grauns nicht das Händelsche Melos auf, sondern sucht mit intelligentem Textausdruck und geschmackvollen Verzierungen einen individuellen Zugang zu dem Komponisten zu finden.

Stimmlich nicht ganz so klangschön und ausgeglichen, aber hinreißend impulsiv und mit immenser gestalterischer Phantasie wirft sich schließlich Sopranistin Anne-Katrin Schenck dem Komponisten in die Arme, wobei sie von dem mit ihr ausgezeichneten Ensemble „Senza sordini“ sicher, feurig und einfühlsam begleitet wird. Das Klischee vom sanften aber undramatischen Graun dürfte sich mit dieser Interpretation erledigt haben.

Trotz des erfreulichen Niveaus der Preisträger kann sich beim Abschlusskonzert auch ein Gewinner des zweiten, regionalen Teiles des Graun-Wettbewerbs in die Herzen der Zuhörer singen: Es ist der Kurstadt Singkreis Bad Liebenwerda, dessen ältestes Mitglied 89 Jahre alt ist. Die Amateure tragen zwei Chorsätze von Carl Heinrich Graun vor: mit Patina in den Stimmen, aber mit einer jugendlichen Begeisterung im Ausdruck und mit Gesichtern, die wie Sonnen strahlen, beweisen sie, dass in der Musik des Hofkomponisten eine elementare volkstümliche Kraft steckt. Auch dafür lohnt es sich, nach Bad Liebenwerda zu kommen.
Carsten Niemann, kulturradio

Bewertung:

Stand vom 16.11.2009

Mehr Informationen zum Thema:

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