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Bühne und Konzert

Unser "K" zeigt Ihnen die Einschätzung unserer Kulturradio-Rezensenten:

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gelungen
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zwiespältig
misslungen

Bühne und Konzert, 10.10.2009

Christian Dietrich Grabbe; Lithografie um 1835

Neue Bühne Senftenberg: "Grabbe!"

6. GlückAufFest

Im Herbst 2004 wurde vom damals neuen Intendanten Sewan Latchinian das GlückAufFest an der Neuen Bühne in Senftenberg ins Leben gerufen. Seitdem pilgern Theaterfans aus ganz Deutschland zum Theaterspektakel, das in jedem Jahr unter einem neuen Motto steht. Nach Anfänge und Werte, Lachen, Fäuste und Träume heißt das an mehreren Wochenenden im Herbst veranstaltete Fest diesmal Grabbe!. Gemeint ist damit der 1801 in Detmold geborene und 1836 dort auch gestorbene Autor Christian Dietrich Grabbe, der dem deutschen Theater einige Geschichtsdramen hinterlassen hat.

Schauspieler und Ensemble
sind diesmal nicht durch die Stadt gezogen, sondern haben alle Ecken und Winkel, alle kleinen und großen Haupt-, Neben- und Seiten-Bühnen des Theaterhauses bespielt. Dem Theater nähert man sich über ein Baugerüst, das über ein Ausgrabungsfeld hinwegführt, auf dem gerade Theater-Archäologen Knochenreste und Theaterrequisiten der Erde und dem Vergessen entreißen.

Auf einem Platz vor dem Theater stehen drei Förderbänder, die drei große Erdhaufen aufgeworfen haben, einen schwarzen, einen roten, einen goldenen. Die Sache ist also von vornherein klar: hier wird an einem langen Theater-Abend in und nach deutscher Geschichte gewühlt. Die insgesamt fünf Inszenierungen, die an diesem bis weit in die Nacht reichenden Abend gespielt werden, verstehen sich denn auch – in Anspielung an die Bergbautradition von Senftenberg – als "Grabbe-Grabungen".

Als Einstimmung:
Sewan Latchinans Stück Grabbes Grab, 1986 in Schwerin herausgebracht, es dient jetzt als plausible Einführung in Leben und Werk des weithin unbekannten Dichters. In scharf geschnittenen, kurzen Szenen erleben wir Grabbe als ewig Scheiternden und Verzweifelten, als Brausekopf, Revoluzzer, Alkoholiker und vom Tode gezeichneten Dichter, der nach Jahren der Irrungen und Wirrungen wieder zu Ehefrau, Heim und Herd zurückkehrt, um seine Hermansschlacht zu beenden und in seinen Todes-Halluzinationen sein verkorkstes Leben Revue passieren zu lassen. Ein konventioneller, aber lehrreicher Text und die Inszenierung hat einen großartigen Bernd Färber als Grabbe-Darsteller.

Ansonsten wird das Bild der Grabbe-Grabungen etwas überstrapaziert, denn Zuschauerraum und Bühne gleichen einem Bergwerkstollen, überall funzliges Licht und große Sandhaufen, so dass für die um Grabbe herum gruppierten Schauspieler wenig Raum zum Spielen bleibt.

Weil in dem
biografischen Grabbe-Stück schon viel von der Hermannsschlacht die Rede ist, könnte man danach zur Inszenierung von Hannibal ins Seitenmagazin wechseln. Regisseurin Esther Undisz hat das ausufernde Personal auf sieben Darsteller reduziert, die sind mal Römer, mal Karthager, alle tragen entweder Stahlhelm und Uniform oder schwarze Business-Anzüge und sehen aus wie geschniegelte Politiker oder Banker. Die Punischen Kriege finden als aktuelle Nachrichten statt, man liest die Financial Times, der Krieg ist ein Geschäft, die vermeintlichen Helden werden von den Intriganten und Hintermännern der Macht wie Schachfiguren hin und her geschoben, verraten und verkauft.

Grabbe ist ein erstaunlich moderner, kritischer Autor, die Inszenierung hat in ihrer Stilisierung, in der an Brecht erinnernden Verfremdung und der an Schleef erinnernden chorischen Sprache eine enorme aktuelle und aufrüttelnde Kraft.

Es ist längst
nach Mitternacht und Veit Schuberts Inszenierung von Grabbes Klamauk-Klassiker Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung läuft immer noch: Die Welt ist ein Tollhaus, der Teufel ein Geistlicher, der Dichter ein Dummkopf, der Lehrer ein Säufer. Wer das alles auch noch durchsteht, beweist zwar, dass er Stehvermögen hat, trotzdem hat er nur drei von fünf Aufführungen an einem Abend sehen können. Das macht Appetit auf mehr.
Frank Dietschreit, kulturradio

Bewertung:

Stand vom 10.10.2009

Mehr Informationen zum Thema:

Neue Bühne Senftenberg
"Grabbe!"
Premiere: 3. Oktober 2009
Weitere Vorstellungen: bis 14. November 2009

www.theater-senftenberg.de >>>

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