Bühne und Konzert, 12.04.2010

zeitfenster / Konzerthaus Berlin: Eröffnungskonzert
Aufstieg und Fall
Es müssen goldene Zeiten gewesen sein für Opernliebhaber in Hamburg, wo Telemann, Keiser und Händel konkurrierten! Zur Eröffnung des zeitfenster-Festivals waren wir zu Gast an der Hamburger Oper zwischen 1710 und 1730.
Anfangs schienen die vielen Märsche des Programms etwas zu viel, aber zunehmend gewann man diesen Reiz ab, zumal so brillant in den Blechbläsern gespielt wie hier. Gern hätte man auch mehr zum Thema Geld und Verfall gehört wie in Keisers Crösus, aber alles war ja nur ein Vorspiel zur Wiederentdeckung von Telemanns Drama um den Wendenherrscher Gensericus.
Einmal mehr
staunte man über die stilistische Vielfalt und den Einfallsreichtum Telemanns. Wie fein zeichnete er die Gefühle der Kaiserin, auch wenn Roberta Invernizzis Stimme nicht bis auf den Rang des Konzerthauses reichte und ihr Deutsch weitgehend unverständlich blieb.
Ganz anders dagegen Dietrich Henschel, den ich noch nie so eindrucksvoll barock erlebt hatte. Zwischen Ironie und Pomp wusste er am meisten seine Rolle(n) lebendig zu machen. Tim Meads Counter strahlte einen warm bis schmetternden Klang aus, auch wenn gerade die Charakterzeichnung noch nicht so ausgereift war. Am meisten beeindruckte Telemann aber in den innigen, reflektierenden Arien, von denen man gerne mehr gehört hätte.
Die Akademie für Alte Musik spielte präsent, engagiert und sehr lebhaft angeleitet von Christopher Moulds, der sich hier nachdrücklich für weitere Auftritte in Berlin empfahl.
Clemens Goldberg, kulturradio
Bewertung:
Stand vom 12.04.2010