Christoph Eschenbach; Foto: Gregor Baron

Konzerthaus, Großer Saal - Young Euro Classic: Schleswig-Holstein Festival Orchester

Bewertung:

Junge Orchestermusiker sind heute schon abgebrühte Vollprofis, da würde man sich manchmal mehr Fehler aber dafür auch mehr Freude wünschen.

Wieder ein ungeheuer ernsthaftes, hoch konzentriertes Orchester, dem man nicht oft den Spaß und die Leidenschaft anmerkt, die es hoffentlich doch macht. Schon die Festival-Hymne in der vollen Orchesterversion wurde von Christoph Eschenbach hoch differenziert dargeboten, dabei sollte sie gerade ab und zu entgleisen!

Haydns letzte Symphonie steckt voller Oper. Hier waren wieder alle lyrischen Stellen, alles Feine und Differenzierte in besten Händen, aber der Theaterdonner, die unglaublichen Kontraste, die Überraschungen, sie hätten viel mehr Puder und Schminke vertragen, auch mal einen rauen Ton. Bitte mal Orchester im „Originalklang“ anhören! aber da ist Eschenbach wohl aus einer anderen Zeit.

Bruckners unvollendete Neunte ist ein Stück voller Qual, Einsamkeit und Alter, etwas merkwürdig für ein junges Orchester. Im ersten Satz war alles noch nicht im großen Atem, zu sehr im Einzelnen abgespielt. Doch schon das Scherzo entwickelte die nötige Diabolik. Der lange langsame Satz dann erreicht auch emotionale Tiefe, bot jede Menge Möglichkeiten für die exzellenten Blechbläser (letzte männliche Bastion in einem ansonsten sehr weiblichen, sehr asiatischen Weltorchester), für die berührende Flöte, für den sehr gefeilten Streicherklang.

Junge Orchestermusiker sind heute schon abgebrühte Vollprofis, da würde man sich manchmal mehr Fehler aber dafür auch mehr Freude wünschen.

Clemens Goldberg, kulturradio