Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte © Alexander Wenzel/Kunstuniversität Graz
© Alexander Wenzel/Kunstuniversität Graz | Bild: Alexander Wenzel/Kunstuniversität Graz

Deutsche Oper Berlin - Wolfgang Amadeus Mozart: "Così fan tutte"

Bewertung:

Ein junges Sängerensemble rettet den Spielzeitauftakt an der Deutschen Oper Berlin. Was Regisseur Robert Borgmann bei seinem Operndebüt erzählen will, bleibt im Unklaren – ebenso wie das, was GMD Donald Ruunicles aus dem Orchestergraben holt.

Für ein Operndebüt als Regisseur kann man sich wahrlich leichtere Werke aussuchen als ausgerechnet Wolfgang Amadeus Mozarts "Così fan tutte". Denn wie will man das auf die Bühne bringen: Zwei Männer testen die Treue ihrer Verlobten und verkleiden sich, um die jeweils andere rumzukriegen, und die Frauen merken das nicht?! Wer glaubt das heute noch?!

In Berlin hatte die Oper zuletzt eher wechselnden Erfolg: Doris Dörries amüsante Hippie-Party an der Staatsoper kam gut an; wesentlich weniger dagegen die beiden Inszenierungen an der Komischen Oper von Peter Konwitschny und Alvis Hermanis. Keine leichte Aufgabe für einen Debütanten also.

Von allem ein bisschen

Eine wirkliche Deutung liefert Robert Borgmann nicht; es ist eher ein Spiel mit Versatzstücken. Gleich zu Beginn ist ein wehender gelber Vorhang zu sehen mit der Aufschrift "Youth". Das lässt erahnen, dass da junge Leute Freuden und Leiden der Liebe erfahren. Dann aber ist auch die Entstehungszeit des Werkes präsent mit Statisten in Rokokokostümen oder einem Cembalo auf der Bühne.

Nach der Pause wird das Stück ganz zur Installation: Die Videoprojektionen werden noch intensiviert. Man sieht wechselnd Gesichter, Blumen im Wind, Häuserfassaden, Windräder und manches mehr. Auf der Bühne stehen Spiegelwände oder eine riesige Tiefpumpe zur Förderung von Erdöl nutzlos herum. Robert Borgmann hat auch Bildende Kunst studiert. Da schien er sich nicht entscheiden zu können und alles irgendwie unterbringen zu wollen.

Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte © Alexander Wenzel/Kunstuniversität Graz
© Alexander Wenzel/Kunstuniversität Graz

Frei assoziativ gescheitert

Wie auch schon in seinen Inszenierungen am Berliner Gorki-Theater sorgt Robert Borgmann auch an diesem Abend für eine ziemliche Langatmigkeit, weil er sich auch hier frei assoziativ von Idee zu Idee hangelt. Glücklicherweise hat er ein junges Sängerteam, das keine Angst hat, sich auch mal zum Affen zu machen. Gerade die Männer spielen gerne auch mal clownesk durchgeknallt. Das komische Paar Don Alfonso und Despina unterhält eine Sado-Maso-Beziehung, aber von alledem bleibt wenig im Kopf. In den entscheidenden Momenten stehen alle nur an der Rampe.

Sicher ist diese Mozart-Produktion regielich keine solche Katastrophe wie am Ende der vergangenen Spielzeit die "Entführung aus dem Serail" von Rodrigo García, aber an diesem heiklen Stück, der "Così fan tutte", ist Robert Borgmann letztlich doch gescheitert.

Junge phantastische Sänger

Nicht nur spielerisch, sondern gerade auch sängerisch können alle hier dagegen wirklich überzeugen. Es sind vor allem Mozart-Sänger, die mit Leichtigkeit arbeiten, wunderbaren Piano-Nuancen, nur ganz selten an den existentiellen Stellen mal forcieren. Aber man spürt die Ernsthaftigkeit in der Gestaltung. Wenn es denn tatsächlich der Regieansatz war, Jugendliche zu zeigen, die sich selbst finden, mit ihren Gefühlen klarkommen müssen, findet sich das in der stimmlichen Umsetzung.

Ein Beispiel: Sicher hat man die Arie des Ferrando "Un' aura amorosa" etwa von Peter Schreier wärmer, inniger und geschlossener gehört, aber bei dem jungen Tenor Paolo Fanale in dieser Aufführung spürt man das Suchen nach sich selbst, das immer wieder neu Ausbalancieren. Man kommt hier der Figur unglaublich nahe und ist berührt. Und das gilt für alle sechs Darstellerinnen und Darsteller. Sie singen nicht nur ausgezeichnet, sondern formen in ihren Stimmen ihre Partien bewegend und authentisch.

Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte © Alexander Wenzel/Kunstuniversität Graz
© Alexander Wenzel/Kunstuniversität Graz

Leise, aber gleichförmig

Was Generalmusikdirektor Donald Runnicles am Pult seines Orchesters gestaltete, überraschte zunächst einmal: Kennt man ihn eher sonst als burschikosen Fortissimo-Sucher, konzentrierte es sich hier eher auf die leisen Töne. Die Musik klang hier wie auf Watte gebettet und zurückhaltend. Dieser warme Klang war zunächst einmal ganz angenehm, nur war das auf die Dauer des langen Abends nicht einmal der halbe Mozart.

Oft unscharf, verflog manches im weiten Saal und wirkte dann doch in seiner Gleichförmigkeit nur anödend pauschal. Auch die spritzigen, ironischen Seiten der Partitur wollten sich nicht vermitteln. Mozarts ungemein farbige Partitur hat Runnicles zu sehr unter Wert verkauft. Kurz: ein durchwachsener Start in die neue Saison: Für die Sängerinnen und Sänger lohnt sich der Besuch; alles andere stand unter keinem glücklichen Stern.

Andreas Göbel, kulturradio