Konzerthausorchester Berlin; © Marco Borggreve
Bild: © Marco Borggreve

Konzerthaus Berlin - Berliner Singakademie & Konzerthausorchester: Antonín Dvořák "Die Geisterbraut"

Bewertung:

Ein sehr unterhaltsamer und lohnender Abend

Eine scheinbar märchenhafte Geschichte wird uns erzählt: Eine junge Frau verliert Eltern und Kind, der Ehemann verschwindet. Er erscheint als Geist, entführt sie auf den Friedhof und versucht, ihre Seele zu korrumpieren. Sie flieht und wird von der Madonna erhört. Tiefer liegt hier die Thematik der weiblichen Unschuld und Verführbarkeit. Dvořák hat diese Ballade von Jarmoir Ereben in 90 unglaubliche vielfältige, unterhaltsame Musik verwandelt. Das wollten allerdings im Gegensatz zur Londoner Uraufführung nur wenige Hörer im Konzerhaus kennenlernen, ein Fehler!

Zentral ist der Chor, die Singakademie war mustergültig von Achim Zimmermann vorbereitet, das Konzerthausorchester bot die idealen Farben dazu. Als Erzähler konnte Philipp Kaven stimmlich nicht immer ganz mithalten. Das Liebespaar Lothar Odinius und Martina Rüping müssen wirklich Dialogpartner sein. Odinius erfüllte seine Rolle betörend, perfekt, wunderbar sprachlich gestaltet. Bei Rüping waren vor allem die brillanten Spitzen beeindruckend, aber schon beim Halten der Töne und in der Mittellage kam nicht viel auf dem Rang an. Auch die Sprachgestaltung war nicht mit Odinius zu vergleichen. Insgesamt jedoch ein sehr unterhaltsamer, lohnender Abend. Dieses Stück sollte viel öfter zu hören sein!

Clemens Goldberg, kulturradio

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