Rundfunkchor im Berliner Dom © Amin Akhtar
Bild: Amin Akhtar

Konzert - Rundfunkchor und DSO: Das Berliner Weihnachtskonzert

Bewertung:

Kurz vor Heiligabend hat der Berliner Rundfunkchor im Dom sein traditionelles Weihnachtskonzert gegeben. Chefdirigent Gijs Leenaars dirigierte den Rundfunkchor und das Deutsche Symphonie-Orchester mit Arthur Honeggers "Le Roi David", einer Vertonung der biblischen Geschichte von König David.

Die alttestamentarische Geschichte vom König David hat wahrlich nichts Weihnachtliches: derjenige, der Gott gehorcht, ist im Krieg siegreich und metzelt die Gegner nieder, wer nicht gehorcht, wird selbst abgeschlachtet. Auch nicht genehmigter Ehebruch des Herrschers wird gleich kollektiv am Volk bestraft.

Wer sich heute über die "Gewaltreligion" Islam aufregt, sollte mal das Alte Testament lesen. Die Geschichte wird höchst raffiniert und vielfarbig von Arthur Honeggers Oratorium in Szene gesetzt, kurze Szenen bieten immer neue schillernde Farben und Zustände.

Dirigent Gijs Leenaars, © Hans van der Woerd
Dirigent Gijs Leenaars, © Hans van der Woerd

Versunken in der Badewannenakustik des Doms

Tragende Figur ist der Erzähler, für den man doch einen muttersprachlichen Franzosen und ausgebildeten Sprecher hätte wählen sollen, das Pathos des Chorsängers Sascha Glintenkamp war stilistisch nicht mit der bewusst harten und nüchternen Musik im Einklang. Immerhin war er gut zu verstehen, der ganze Rest versank in der Badewannenakustik des Doms, wie durch die Milchglasscheibe verschwamm der ahnungsweise sehr gut präparierte Rundfunkchor unter der Leitung des Chefs Gijs Leenaars. Auch von den Solisten war nur mehr oder weniger Nebulöses zu hören, die Akustik verbietet hier eine Bewertung.

Den Konzertort überdenken

Es mag eine schöne Tradition sein, das Weihnachtskonzert im Dom zu veranstalten. Sie ist aber zu überdenken. Dieses Mal waren weder der Stoff noch der Ort dem Festtag angemessen.

Clemens Goldberg, kulturradio

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