Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker; © Monika Rittershaus
Bild: Monika Rittershaus

Konzert - Berliner Philharmoniker spielen Richard Wagner

Bewertung:

Enorme Bühnenpräsenz. Das Orchester brachte unter der unangestrengten, konzentrierten Leitung von Simon Rattle die Psychologie, die mentalen Vorgänge vielschichtig und berückend nahe.

Eine Schweigeminute für die Anschlagopfer von Berlin ließ eine tiefe Stille im Saal entstehen, aus der heraus sich die Musik entwickelte, die Wagner zur Geburt seines Sohnes komponierte. Zart und zerbrechlich und doch stark, eine innige Botschaft an die Lebensverächter, an die Verzagenden, an die Zweifelnden. Das Leben fließt, wir können es aber gestalten.

Der 1. Akt Walküre warf dann wieder ganz in die Sünde und Schuld, den Trieb und das Verlangen auf der Erde. Blutschande, Tribalismus, archaische Gesellschaft. Also sehr aktuell. Nicht ganz leicht, sich angesichts der äußeren Erscheinung von Simon O’Neill und Eva-Maria Westbroek das junge Zwillingspaar Siegmund und Sieglinde vorzustellen. Der Gesang half nur bis zu einem gewissen Punkt: Westbroek mit warmer, auch zu großer Kraft fähiger Stimme, O’Neill eher näselig eng und auch zu enormem Forte fähig, insgesamt gekonnt theatralisch. Nur, dass diese beiden wirklich etwas erlebten, das musste bezweifeln, wer dann John Tomlinson als Hunding erlebte

Eva Maria Westbroek; Foto: Gregor Baron
© Gregor Baron

Velschichtig und berückend

Schon die Bühnenpräsenz ist enorm, aber wenn er den Mund auftut und drei Töne singt ist darin mehr umfasst als in einer Stunde bei den "Zwillingen". Das Orchester brachte unter der unangestrengten, konzentrierten Leitung von Simon Rattle die Psychologie, die mentalen Vorgänge vielschichtig und berückend nahe. Da alle Sänger zu großer Lautstärke fähig waren, war Rattle nicht einmal zu laut wie sonst

Clemens Goldberg, kulturradio

Weitere Rezensionen