Kammerakademie Potsdam; Foto: © Stefan Gloede / KAP
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Philharmonie Berlin - Kammerakademie Potsdam unter Trevor Pinnock

Bewertung:

Mit Emmanuel Pahud (Flöte)

Zwei Flötenkonzerte wie sie verschiedener nicht sein könnten: Mozart und Devienne. Bei Mozart: komplexe, dialogorientierte, fröhliche bis innerlich singende Musik. Bei Devienne: schon spürbare Dramatik der französischen Revolution, Virtuosität des Instrumentes im Vordergrund, als langsamer Satz eine hochornamentierte Arie. Emanuel Pahud wird beiden Stücken faszinierend gerecht. Dieser so begnadete, mit wundersamem Atem über endlose Phrasen gebietende Musiker ist keineswegs eitel oder hochmütig. Er liebt seine Musik spürbar und verfügt zudem über hohe spielerische Intelligenz. Dass er Mozarts Konzert trotz vermutlich hunderfachen Hörens und Spielens noch taufrisch erscheinen lassen kann, dass macht schon eine besondere Qualität aus. Dazu wird er von der Kammerakademie Potsdam mit Trevor Pinnock feinnervig, hellwach und kongenial begleitet.

Packend, feinfühlig, beschwingt, beredt

Bei der Kammerakademie fragt man sich oft, ob sie überhaupt einen Dirigenten brauchen. Jedenfalls war man sich mit Pinnock vollkommen einig, so einig, dass man eher den Eindruck haben konnte, als inspiriere das Ensemble den Dirigenten. So kamen die Unterschiede der Sinfonien von Haydn und Mozart plastisch hervor: Bei Haydn ist alles genau was es ist, keine Doppeldeutigkeit. Unterhaltsamkeit aus Kontrast und Überraschung gewonnen. Bei Mozart kann ein Element immer zum Gegenteil werden, ist selten genau eine Situation, was sie suggeriert. Das macht sein Genie aus. Packend, feinfühlig, beschwingt, beredt, die Kammeakademie ist auf einem steilen Weg ins Spitzenniveau.

Clemens Goldberg , kulturradio

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