Vladimir Jurowski; Foto: © Ermenegildo Zegna / IMG Artists
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Konzerthaus Berlin - Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Vladimir Jurowski

Bewertung:

Der neue Chef des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin hebt sich deutlich ab von seinem Vorgänger.

Jugendlich energisch, wie eine Sprungfeder gespannt, viel expressiver als Janowski ist er. Dabei macht Jurowski nicht die Musik vor, aber deren Energieverläufe zeichnen sich deutlich in der Körpersprache ab. Auch die Programmgestaltung ist originell: drei Werke aus der Vorkriegszeit, um 1938 im Exil bzw. Ausland entstanden.

Martinůs Doppelkonzert ist deutlich von Kampf und Krieg gezeichnet, zwei Orchesterhälften stehen in verhakelter, rhythmisch auswegloser Enge gegenüber. Da war noch mehr Anstrengung im Orchester als losgelassene Energie. Die Detailzeichnung liegt Jurwowski aber wie Janowski.

Bewunderungswürdig

Ganz eigenbrötlerisch, kopflastig, abstrakt ist dann die Welt in Hindemiths Violinkonzert. Arabella Steinbacher beherrscht ihren Part bewunderungswürdig, sind doch dessen immense Schwierigkeiten undankbar, kaum schmeichelnd. Anfangs noch etwas undifferenziert beherrscht, dann aber sehr fein und innerlich im langsamen Satz, und schließlich tänzerisch losgelassen mit dem Orchester. Auch hier genaue Detailzeichnung und Aufmerksamkeit im Orchester. Warm wird man nicht mit dieser Welt und dem Komponisten.

Ein ganz anderes Bild nach der Pause. Die Vokalise Rachmaninows passte nicht ins Programm, war aber erstaunlich bewegt und wenig meditativ, eine originelle Interpretation. Rachmaninows 3. Sinfonie hätte auch 1900 komponiert sein können, ganz spätromantisch. Sie ist aber ein sehr gelungenes, herrlich melodisches, durchaus auch formal interessantes Werk. Hier spürte man die herrliche Klangschulung Janowskis, von Jurwoski genutzt, um große Bögen, Tiefenschärfe und mitreißende Verve zu erzeugen.

Ein vielversprechender Beginn!

Clemens Goldberg, kulturradio

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