"Prinz Friedrich von Homburg"; © imago stock&people
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Berliner Ensemble - "Prinz Friedrich von Homburg"

Bewertung:

Claus Peymann hat in seinen 18 Jahren als Intendant Sehenswerteres am BE vollbracht. Dafür bleibt er in der Erinnerung von Freunden traditioneller Schauspielkunst. Daran erinnert man sich gern. An diesen Abend nicht.

Mit Ende dieser Spielzeit beendet Claus Peymann seine Intendanz am BE.
Seinen Abschied als Regie führender Hausherr hat er am Freitag gegeben – mit Heinrich von Kleists "Prinz Friedrich von Homburg".

Mutige Stückwahl

Es ist mutig, das Stück auf den Spielplan zu setzen. Denn es ist schwer zu inszenieren. Und es ist durch Missbrauch von den Nazis belastet. Sie haben es als Lob auf unbedingten Gehorsam auf Disziplin-bis-in-den-Tod gedeutet und gefeiert.

Abgehandelt wird das am Einsatz des Prinzen von Homburg, Reitgeneral im Dienst des Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Er, Homburg, führt den Sieg der Schlacht bei Fehrbellin 1675 herbei, indem er gegen die Order seines Herrn handelt. Was der als Gesetzesbruch ansieht und mit dem Tod bestrafen will. Zu Recht? Geht Disziplin über alles? Es dauert, ehe eine Entscheidung fällt.

Dröge, altbacken, staubtrocken

Der Abend beginnt mit einem schönen Einfall: der Prinz schlafwandelt, wie ein Seiltänzer, auf einem Laserstrahl. Man meint, jetzt hebt das Theater ab – doch es wird dröge, altbacken, staubtrocken. Ausstatter Achim Freyer hat die Bühne karg schwarz-weiß gehaltenen. Da sagen die Akteure, schwarz-weiß gekleidet eher wie Statisten der russischen Revolution aussehend als wie Soldaten des Großen Kurfürsten, ihre Texte mit viel Pathos auf, mit heftigen Gesten, schreien gern, wenn's ans Eingemachte geht.

Sie alle wirken nicht wie Aristokraten, Militärs, nein, sie bewegen sich meist wie tumbe Toren, das stimmt weder sozial noch psychologisch. Und es langweilt, weil Claus Peymann das Stück abspulen lässt, keine Deutung anbietet, keine Lesart, keine Welt hereinholt. – Dafür kommt’s am Ende knüppeldick: Cat Stevens' Hippie-Hymne "If You Want to Sing Out, Sing Out" ertönt – das Ensemble wankt in Zeitlupe – der Prinz und seine Geliebte kommen zu Tode. Endlich eine Deutung: die Figuren sind nichts als Kanonenfutter. Doch da ist es zu spät, um den Abend noch spannend zu machen.

Selbstverliebte Schaumschlägerei

Die Titelrolle spielt Sabin Tambrea. Leider nicht überzeugend. Dieser Schauspieler, den wir schon ganz wunderbar erlebt haben, scheinbar wandelbar ohne Grenzen, er darf nur aufsagen, brüllen, chargieren. Um ihn herum: nichts Besseres. Bemerkenswert allein: Claus Peymann selbst – am Ende, beim Verbeugen: Große Gesten, Hände in die Luft, Hände ringen, Sich-die-Hände-vor-den-Mund-schlagen und ein Kniefall vor Sabin Tambrea. Grelle Show, ganz großes Theater, selbstverliebte Schaumschlägerei.

Claus Peymann hat in seinen 18 Jahren als Intendant Sehenswerteres am BE vollbracht. Dafür bleibt er in der Erinnerung von Freunden traditioneller Schauspielkunst. Daran erinnert man sich gern. An diesen Abend nicht.

Peter Claus, kulturradio

Zum Nachhören

Schauspieler Sabin Tambrea im kulturradio-Studio; Foto: Carsten Kampf

ZU GAST - Sabin Tambrea, Schauspieler

Einem größeren Kinopublikum wurde der Schauspieler Sabin Tambrea vor vier Jahren als junger bayerischer Märchenkönig Ludwig II. bekannt. In Berlin konnte man ihn da schon einige Jahre am Berliner Ensemble erleben, in vielen unterschiedlichen Rollen - ein Star im Werden. 2014 verlieh ihm die Berliner Theatergemeinde ihren Publikumspreis. Jetzt gibt Sabin Tambrea einen Kleist-Klassiker, den "Prinz von Homburg". Und zwar in der letzten Inszenierung von Claus Peymann, dessen Intendanz am BE mit dieser Saison endet. Vor der Premiere am Freitag ist Sabin Tambrea jetzt zu Gast im kulturradio am Nachmittag.

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