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Staatstheater Cottbus - 5. Philharmonisches Konzert

Bewertung:

Eine musikalische Annäherung zwischen Orient und Okzident

Das Staatstheater Cottbus macht seit einigen Jahren mit Uraufführungen zeitgenössischer Musik, die das Staatstheater selbst in Auftrag gibt, von sich reden. Das jüngste Werk, "Daheim in der Fremde" des Leipziger Komponisten Bernd Franke ist dem Auftrag, musikalische Verbindungen zwischen östlicher und westlicher Kultur zu suchen, verpflichtet. Dabei stellt er sich den Themen Heimat und Heimatverlust, Verwurzelung und Entwurzelung.

In seiner eigenen Klangsprache nimmt er in zeitgenössischem Kunstlied und Klangteppichen mit gesprochenem Wort Elemente arabischer Musik auf – etwa ein rhythmisches Klatschen, das durch das Orchester geht – und nähert sich damit vorsichtig an die junge syrische Oud-Spielerin und Sängerin Cham Saloum an, die zusammen mit der Perkussionistin Nora Thiele in je zwei mit "Erinnerung" überschriebenen Sätzen Volkslieder zur arabischen Laute singt.

Eine Konzeption, die aufgeht. Vor allem, weil Franke ein vorsichtiger Komponist ist, einer, der ein Streben nach Ausgleich und Harmonie immer beibehält. Und der gleichzeitig, als Kind vertriebener Eltern, selbst um die Schwierigkeit weiß, auf einem Seil zu tanzen, das zwischen zwei Heimaten aufgespannt ist.

Grenzgang mit Messiaens Opus ultimum

Messiaens "Éclairs sur l'Au-delà" hingegen bringt mit Mammutbesetzung – allein zehn Flöten, zehn Klarinetten und ein Riesenschlagwerk – das Staatstheater Cottbus an seine Grenzen.

Statt silbrig-leuchtender, zart schimmernder Klangfarben im Bläsersatz, die Streiflichter ins Jenseits sein könnten – wie man den Titel des Werks in etwa übersetzen könnte – dominieren hier die Mühen des Diesseits und GMD Evan Christ hat teilweise Mühe, das Orchester zusammen zu halten. Leichter fallen ihm die rhythmisch geprägten Sätze. Auch Streicherpassagen klingen leicht und lassen, zumindest zeitweise, ein Leuchten aus dem Jenseits erahnen.

Trotz dieser Schwächen ringt es einem Hochachtung ab, wie dieses Orchester unter seinem Dirigenten Evan Christ ein solches Opus magnum und ultimum stemmt.

Karoline Knappe, kulturradio

Weitere Infos

Das Konzert wurde vom kulturradio mitgeschnitten und ist am 15. April
2017 ab 20.04 Uhr zu hören.

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