Igor Levit; Foto: Gregor Baron
Gregor Baron
Bild: Gregor Baron Download (mp3, 5 MB)

Philharmonie Berlin - Deutsches Symphonie-Orchester Berlin unter Manfred Honeck, mit Igor Levit

Bewertung:

Igor Levit spielt mit ganzem Herzen, ohne exhibitionistisch zu werden.

Obwohl Samuel Barbers "Adagio for Strings" im Salzkammergut entstand, ist es der ikonische Inbegriff Amerikas im 20. Jahrhundert. Weite Landschaft ohne Mauern, Trauer aber auch Stolz über die gefallenen Toten, Offenheit. All das also, was derzeit gefährdet ist Manfred Honeck nimmt die Musik eher bewegt-beschwingt und macht die Musik eher dringlicher als zeitlos.

Hört man Igor Levit im 3. Beethovenkonzert, so realisiert man unwillkürlich, wie oft man diese Musik routiniert und glatt, bekannt und museal wiederholt zu hören bekommt. Bei Levit ist jeder Ton lebendig, er ist niemals aufdringlich oder sich als Virtuose (der er natürlich ist) aufspielend. Es geht ihm um die unmittelbare Wiederbelebung und das in die Gegenwart Holen Beeethovens.

Spielfreude und Aufmerksamkeit

Wenn er einmal begleitet, wie in den Akkordarpeggien des 2. Satzes, dann so faszinierend im Untergrund, dass man unwillkürlich darauf wartet, wann er wieder aus dem Untergrund hervortritt. Dabei klingt dieser Beethoven unglaublich lebendig kammermusikalisch, oft an Mozart erinnernd. Manfred Honeck und das DSO werden durch diese exemplarische Interpretation ebenfalls zu hoher Spielfreude und Aufmerksamkeit angeregt.

Das Wichtigste aber: Igor Levit spielt mit ganzem Herzen, ohne exhibitionistisch zu werden.
Das allzu oft gespielte "Heldenleben" regt das DSO zu der erwarteten orchestralen Virtuosität an, es bleibt aber diese Interpretation gängig, wenig überraschend. Nach Beethoven dann doch letztlich schal.

Clemens Goldberg, kulturradio

Weitere Rezensionen